100 000 plötzliche Herztode - einige Hundert im Sport

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10. September 2012, 07:15 Uhr

In Deutschland sterben jährlich über 100 000 Menschen an einem plötzlichen Herztod, einige Hundert trifft es beim Sport. "Es ist doch eher selten", sagt Prof. Dr. Tim Meyer, seit elf Jahren Mannschaftsarzt der deutschen Nationalelf. Der Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes will den Ursachen trotzdem wissenschaftlich auf den Grund gehen. Dafür ist in Saarbrücken eine Online-Datenbank unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) eingerichtet worden. "Wir versprechen uns von dem Register ein klares Urteil darüber, welche Ursachen es in Deutschland für den plötzlichen Herztod im Sport gibt", so Meyer.

Über SCD-Deutschland (Sudden Cardiac Death) können Trainer, Athleten, Ärzte oder auch Zuschauer Todesfälle beim Sport melden. Über eine geschützte Seite gelangt man zu einem Fragebogen. Die Ursachen sollen erfasst und erforscht werden und helfen, die Prävention zu verbessern. "Wonach müssen wir suchen?", laute die gegenwärtig nicht klar zu beantwortende Frage, sagte Meyer, der betont: "Uns geht es nicht primär um die Leistungssportler."

Der Bezirksklassen-Fußballer sei "letztendlich genauso gefährdet" wie die Bundesligastars, die Meyer auch bei der Nationalelf betreut. Die Unglücksfälle im Lichte der Weltöffentlichkeit erfahren aber eine besondere mediale Aufmerksamkeit.

Bis das Register der Sportmediziner in Saarbrücken konkrete Ergebnisse für Deutschland erbringen kann, wird es wohl dauern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es in kürzerer Zeit als zwei, drei Jahren schafft. Einige hundert Fälle brauchen wir dafür schon", schätzte Professor Meyer. Register in den USA und in Italien haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht. In Amerika war eine krankhafte Verdickung des Herzmuskels die häufigste Todesursache, in Italien dagegen eine krankhafte Vergrößerung der rechten Herzkammer. Womöglich gebe es "länderspezifische Verteilungsmuster", meinte Meyer - und in Deutschland damit womöglich "ein anderes Krankheitsbild".

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