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21. April 2008, 12:31 Uhr

Berlin - Mit dem Ausruf „Ach du meine Nase!“ sind im Osten Deutschlands Generationen von Zuschauern aufgewachsen. Immer wenn der Kobold Pittiplatsch in einer Kindersendung auftauchte, ließ er bei seinen Streichen diese lustige Bemerkung fallen. Die beliebte Figur erschien vor mehr als 45 Jahren zum ersten Mal im DDR-Kinderfernsehen. Der Puppenspieler Heinz Schröder leiht Pittiplatsch von Anfang an seine Stimme. Am Donnerstag (24. April) feiert der Berliner seinen 80. Geburtstag.

Und Pittiplatsch wird nicht müde. Seit 1993 tourt Schröder mit dem von ihm gegründeten Pittiplatsch-Ensemble durch Ostdeutschland. Rund 120 Mal im Jahr öffnet sich in Theatern und Kulturhäusern der Vorhang zu „Pittiplatsch und seine Freunde. Ein ruhiges Rentnerleben sehe anders aus, sagt der rüstige 79-Jährige im ddp-Gespräch. Aber sein Publikum - die “kleinen und vielen großen Kinder„ - sei nach wie vor treu. “Zwei Wochen Tournee jeweils im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und dann noch die Veranstaltungen zur Weihnachtszeit, die schon heute fast ausverkauft sind, halten jung und machen viel Spaß„, sagt Schröder.

400 bis 500 Zuschauer seien keine Seltenheit, wenn es wieder Neues aus dem Märchenwald zu berichten gibt, so Schröder, der neben dem Kobold auch der Vater von den anderen bekannten Fernseh-Figuren Herr Fuchs, Onkel Uhu, Frau Igel oder dem Maulwurf Buddelflink ist. Fast immer auf der Tour an seiner Seite ist Kollegin Bärbel Möllendorf, die Pittiplatschs dickste Freundin Schnatterinchen spricht.

Der Erfolg habe auch ein bisschen mit Nolstalgie zu tun, sagt der gelernte Technische Zeichner. “Wenn wir in die Zuschauerrreihen blicken, kommt uns oft der Gedanke, wir spielen für Große„, resümiert er. “Manchmal kommen die Jungen und Mädchen mit zwei oder drei Erwachsenen.„ Beim Einlass ergibt sich zudem so manch komisch anmutende Situation: Wenn drei Erwachsene Karten kaufen, werden sie darauf hingewiesen, dass es sich um eine Kinderveranstaltung handelt. “Spontan heißt es dann, dass ist doch unsere Kindheit und wir wollen Pitti mal live erleben.„

Die Märchenwald-Figuren bestimmen auch das Spiel auf der Bühne. “Grundsätzlich halten wir es so, dass wir uns nicht vor oder während der Vorstellung zeigen. Das würde die Illusionen der Kinder zerstören. Ach, der Opa da hat das gemacht, heißt es dann möglicherweise„, meint Schröder. “Wenn die Kinder am Ende hinter die Bühne kommen und fragen, wo ist denn der Pittiplatsch, dann sage ich, der schläft schon, und dann horchen sie an der Kiste.„

Seit Pittiplatschs Geburtsjahr 1962 hatte die Figur viele tausend Auftritte. Im Abendgruß des Sandmännchens waren die Märchenwald-Akteure seit den 70er Jahren regelmäßig zu sehen. “Heute bin ich mindestens mit der 15. Puppe unterwegs„, schätzt Schröder. Gezählt habe er nicht. Dabei ging die Karriere des Kobolds stockend los. Pitti sollte zunächst Lackschuhe tragen, gerade Beine und eine Bürstenfrisur haben, doch die Puppenspieler legten Einspruch ein: „Wir hätten gern, dass er Latschen trägt, krumme Beine und eine Glatze hat, mit ein paar Haare ganz vorn“, erinnert sich Schröder an die damaligen Diskussionen.

Sie setzten sich durch. Doch dann lehnte zunächst das Publikum diesen Pittiplatsch bei seiner Fernsehpremiere in der DDR-Kindersendung “Meister Nadelöhr„ ab. “Es gab viele empörte Zuschauerbriefe, selbst Lehrer und Erzieher kritisierten, dass diese Figur nach ihrer Ansicht weder Tier noch Mensch und noch dazu so frech sei„, blickt der 79-Jährige zurück. Also musste der Kobold wieder zurück ins Koboldland. Danach habe der Fernsehfunk jedoch “säckeweise Post bekommen, von Eltern und Kindern„, die Pittiplatsch wiedersehen wollten.

Im Fernsehen sind die Puppen heute noch regelmäßig beim “Sandmännchen„ im RBB, MDR und Kinderkanal (Ki.Ka) zu erleben. Da seit der Wende keine neuen Filme mehr produziert wurden, komme alles aus der Konserve, sagt Schröder. Die Figuren sind nach wie vor beliebt, wie Einschaltquoten belegen. Pittiplatschs Abendgruß-Geschichten verfolgten im vergangenen Jahr im Ki.Ka im Schnitt 420 000 Zuschauer. Das waren nach Senderangaben 29,5 Prozent der 3- bis 13-Jährigen. Auch beim MDR schaut eine große Fangemeinde zu: Bundesweit schalteten 2007 rund 340 000 Zuschauer den Sandmann ein.

Heinz Schröders Wunsch zu seinem 80. Geburtstag: ein großer TV-Rückblick, der an die „vielen schönen Märchenwald-Geschichten“ erinnert.

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