Prozesse : Mordprozess um Leonie: Konflikt vor Todestag immer wichtiger

Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel. /dpa/Symbolbild
Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel. /dpa/Symbolbild

Ein kleines Mädchen wird tot in der Wohnung seiner Familie gefunden. Wurde es vom Stiefvater misshandelt? Nach vielen Zeugenberichten kristallisiert sich der 8. Januar als besonders wichtig heraus: Es gab Streit, danach hatte Leonie schon Verletzungen.

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21. November 2019, 15:27 Uhr

Im Mordprozess um die sechsjährige Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) ist ein Konflikt in der Familie vier Tage vor dem Todesfall in den Mittelpunkt gerückt. Mehrere Ermittler berichteten am Donnerstag am Landgericht Neubrandenburg von Zeugenaussagen, wonach der Angeklagte die Mutter Leonies bereits am 8. Januar aus Eifersucht beschuldigt haben soll, dass sie fremdgehe. Um das zu klären, soll der 28-Jährige damals zwei seiner Schwestern in die Wohnung geholt haben, sagte Ermittlungsleiter Ronny Lange. Diese hätten Leonie zu dem angeblichen Liebhaber befragt, die von einem Besuch eines 30-Jährigen erzählt haben soll.

Dieser Bekannte wurde ebenfalls vor Gericht befragt und erklärte, dass er kein Verhältnis mit Leonies Mutter gehabt habe und auch nie in Torgelow war. Nach einer Aussprache am 8. Januar soll sich das Paar dann zwar wieder vertragen haben, aber Leonie hatte drei Tage später schwere Verletzungen. «Als eine der Schwestern dann Bilder auf einem Handy sah, auf denen der Stiefvater Leonie fütterte, war sie sehr erschrocken», erklärte eine Ermittlerin aus Anklam. Dort war ein blaues rechtes Auge beim Mädchen zu sehen, zudem soll sie einen gebrochenen Daumen gehabt haben, weshalb sie nicht allein essen konnte.

Zu den Vorgängen am 8. Januar soll die Mutter beim nächsten Prozesstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt werden, kündigte Richter Jochen Unterlöhner an. Nach einem Streit war der Stiefvater an jenem Tag auch nach Anklam gefahren. Dort hielt er sich bei Bekannten auf, wo er laut Zeugen auch Drogen konsumierte. Leonie war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie gefunden worden, zu der ihr kleinerer Bruder und ein gemeinsames Baby des Paares gehörte.

Der Stiefvater, dem Mord durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener vorgeworfen wird, schweigt bisher vor Gericht. Er soll das Mädchen so schwer misshandelt haben, dass sie an den Verletzungen starb. Polizisten hatte er erzählt, dass Leonie mit einem Puppenwagen eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt sei. An der Treppe wurden nach Angaben der Ermittler aber keine Spuren gefunden, die das zweifelsfrei belegten. Ein Gutachter erklärte am Donnerstag, dass es «sehr unwahrscheinlich» sei, dass der Schaden an dem kaputten Puppenwagen vom Treppensturz stammt.

Der Prozess wird am 29. November fortgesetzt. Dann soll Leonies Mutter an zwei Tagen angehört werden. Für den 9. Dezember haben die Verteidiger eine Erklärung des Angeklagten angekündigt. Ein Urteil soll frühestens am 9. Januar 2020 fallen.

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