Pädagogen am Limit : Märkische Lehrer sind immer öfter krank

Die steigende Zahl an krankheitsbedingten Ausfalltagen von Lehrern führt auch zu leeren Klassenzimmern.
Die steigende Zahl an krankheitsbedingten Ausfalltagen von Lehrern führt auch zu leeren Klassenzimmern.

Fehlstunden durch Krankheit von Lehrern auf Zehn-Jahres-Hoch / Gewerkschaft will Belastungen reduzieren

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04. Dezember 2019, 05:00 Uhr

An Brandenburgs Schulen haben die Fehlstunden, die durch Krankschreibungen von Lehrern verursacht wurden, 2018 den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Potsdamer Bildungsministerium auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion veröffentlichte. Danach betrugen die Fehlstunden, die bis auf einen kleinen Teil nach Angaben des Bildungsministeriums durch andere Pädagogen und Seiteneinsteiger ausgeglichen wurden, im Schuljahr 2018/2019 im Schnitt sieben Prozent des Stundensolls, rund 1,5 Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

In dieser Zahl sind die Ausfälle, die nicht durch Krankheit verursacht wurden, noch nicht enthalten. Einschließlich der Ausfälle durch Mutterschutz und individuelle Beschäftigungsverbote liegt die Zahl nach Informationen von Lehrerverbänden bei über acht Prozent.

Werden die weiteren Fehlstunden, etwa durch die Weiterbildung von Lehrern, hinzugerechnet, ergibt sich ein Vertretungsbedarf von mehr als elf Prozent. Das zeigt: die Vertretungsreserve von drei Prozent, die die Schulämter vorhalten, reicht nicht einmal, um die Krankheitsfälle auszugleichen. Bislang haben die Lehrerverbände vergebens eine Erhöhung dieser Personalreserve auf mindestens acht Prozent gefordert.

Wesentliche Ursachen des hohen Krankenstands sieht der Brandenburgische Pädagogen-Verband in der Überalterung der Lehrerschaft und ihrer Überforderung. Meist altersbedingt schieden im vergangenen Schuljahr laut Bildungsministerium 991 unbefristet beschäftigte Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal aus dem Schuldienst aus. Ein Jahr zuvor waren es 806 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor 664.

Da in der Vergangenheit zu wenige Nachwuchslehrer wegen fehlender Studienangebote in Brandenburg ausgebildet wurden, müssen immer mehr sogenannte Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium die Lücken füllen. Ende September dieses Jahres waren laut Ministerium bereits 14 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Seiteneinsteiger.

Zwar hat die Landesregierung nach eigener Darstellung in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht, um die Lehrer zu entlasten. Wie es in der Antwort des Ministeriums heißt, gehören dazu die Einstellung von Pädagogen als Beamte, eine höhere Besoldung, die Verringerung der wöchentlichen Pflichtstunden um eine Stunde, eine bessere arbeitsmedizinische Betreuung. Dennoch haben die durch Krankheit verursachten Fehlstunden zugenommen.

Die Lehrergewerkschaften fordern wirksamere Schritte, um die Belastung der Pädagogen zu verringern. Der Brandenburgische Pädagogen-Verband hat bereits im Mai 2018 ein Konzept mit dem Titel „Bildungsqualität durch Fachkräfte stärken“ vorgelegt, um die Lehrer zu entlasten. „Getan hat sich seither nicht viel“, sagte Verbands-Präsident Hartmut Stäker. Gern verweist er auf andere Bundesländer, wo die Zahl der Pflichtstunden bereits für Lehrer ab 55 Jahren verringert wird - in Brandenburg erst mit 60.

In Niedersachsen gebe es an jeder Schule einen Lehrerassistenten, der den Pädagogen bei der Vorbereitung und Organisation des Unterrichts entlastend zur Seite stehe, meinte Stäker. Verwaltungsassistenten und Schulsekretärinnen könnten den Schulleitungen den Rücken von nichtpädagogischen Arbeiten frei halten. Sozialarbeiter müsste es an jeder Schule geben, ebenso IT-Administratoren. Auch müsse die schulpsychologische Betreuung verbessert und in die Schulen verlegt werden. Bisher sind die Beratungsstellen bei den vier staatlichen Schulämtern angesiedelt. „Auch mehr nichtpädagogische Arbeitnehmer an den Schulen könnten den Lehrern vieles leichter machen.“

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