Kulturpolitik : Land will Ziele für Staatstheater festlegen

Das beleuchtete Hauptgebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters, aufgenommen während der Blauen Stunde. /Archivbild
Das beleuchtete Hauptgebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters, aufgenommen während der Blauen Stunde. /Archivbild

Seit der Theaterreform 2016 kommt das Mecklenburgische Staatstheater nicht zur Ruhe: Der vom Land verordnete Personalabbau, mit dem Kostensteigerungen gedämpft werden sollten, und ein neuer Chef haben im Spielplan Spuren hinterlassen. Nun werden die Träger aktiv.

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11. September 2019, 13:45 Uhr

Um die Krise am Mecklenburgischen Staatstheater mit seinen Standorten in Schwerin und Parchim zu beenden, wollen die Gesellschafter für das Fünf-Sparten-Haus jetzt klare Eigentümerziele festlegen. Das kündigte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch an. Außerdem soll in den nächsten Wochen eine Doppelspitze für das Theater ausgeschrieben werden. Sie soll aus einer künstlerischen und einer kaufmännischen Leitung bestehen, wie Martin sagte. Seit 2016 wird das Staatstheater mit rund 335 Mitarbeitern von Generalintendant Lars Tietje allein geleitet. Sein Vertrag endet am 31. Juli 2021 und soll nicht verlängert werden.

Hintergrund für die angekündigten Aktivitäten der Gesellschafter ist eine Mitarbeiterbefragung in den vergangenen Monaten, deren Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt wurden. Zuvor hatten Mitarbeiter mit offenen Briefen Kritik an Betriebsklima und Spielplan geäußert. Die Befragung bestätigte eine Unzufriedenheit mit der Spielplangestaltung und dem Betriebsklima im Staatstheater, wie es hieß. Kritiker hatten Tietje vorgeworfen, eine Eventbude aus dem Haus zu machen, mit einem zu hohen Anteil seichter Unterhaltungsstücke. Einst galt das Staatstheater als Leuchtturm in der Theaterlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns - dabei war es chronisch defizitär und musste wiederholt mit Extra-Finanzspritzen vor der Insolvenz gerettet werden.

Als ein Grund für die Schwierigkeiten gilt der Personalabbau, den das Land zur Bedingung gemacht hatte, um als Mehrheitsgesellschafter beim Staatstheater einzusteigen. Nach Tietjes Worten mussten in Schwerin 30 Stellen eingespart werden und am früheren Mecklenburgischen Landestheater in Parchim zwölf. Beide Häuser fusionierten im Sommer 2016. Tietje zufolge gab es auch bei den freien künstlerischen Mitteln für Honorare und Ausstattung starke Kürzungen um etwa ein Drittel. Die Zahl der Produktionen ging zurück und in der Folge auch die Besucherzahl. Jedoch seien prozentual weit weniger Besucher verloren gegangen als Angebot, sagte Tietje.

Als Problem erwies sich auch die bereits vor der Reform durchgesetzte Arbeitszeit- und Lohnkürzung für die Mecklenburgische Staatskapelle und den Opernchor, wie Betriebsrat Andreas Fritsch sagte. Das Orchester fehle fünf Wochen im Jahr. Dadurch verdichte sich auch für andere Bereiche des Theaters die Arbeit in der verbleibenden Zeit und stelle das Haus vor Schwierigkeiten. Die Krankmeldungen schnellten dann in die Höhe.

Schwerins Oberbürgermeister Olaf Badenschier (SPD) sagte, wenn die Eigentümerziele für das Staatstheater feststehen, müsse es auch ein diesen Zielen angepasstes Budget geben. «Das muss zusammenpassen.» In diesem Jahr liegt das Budget nach Theaterangaben bei 26,7 Millionen Euro.

Der Einstieg des Landes als Mehrheitsgesellschafter im Jahr 2016 sollte die finanzielle Zukunft des neuen Mecklenburgischen Staatstheaters sichern. Das Land übernahm 74,9 Prozent der Anteile, je zehn Prozent tragen seither die Stadt Schwerin und der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die Stadt Parchim ist mit 5,1 Prozent beteiligt. Nach Worten von Lars Tietje sollte es schon damals eine Doppelsitze für das Haus geben. Darauf hätten die Träger dann aber aus Spargründen verzichtet.

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