Parchim : Kreis findet keinen Amtsarzt

In der Klassenstufe acht wurden im Vorjahr nur etwa fünf Prozent der Schüler im Kreis untersucht.
In der Klassenstufe acht wurden im Vorjahr nur etwa fünf Prozent der Schüler im Kreis untersucht.

Ludwigslust-Parchim hält in MV die Rote Laterne bei Schuluntersuchungen

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13. Februar 2019, 13:25 Uhr

Die obligatorischen Schuluntersuchungen im Kreis erreichen immer weniger Kinder. In der Klassenstufe vier sind im vergangenen Schuljahr nur noch 57 Prozent, in der 8. Klasse nur fünf Prozent der Kinder erfasst worden (SVZ berichtete gestern). Damit hält Ludwigslust-Parchim die sprichwörtliche Rote Laterne in MV. „Bedauerlicherweise können wir die Reihenuntersuchung nicht zu 100 Prozent abdecken“, sagt Dr. Ute Siering, Leiterin des Fachdienstes Gesundheit.

Grund: Ärztemangel. Seit Monaten ist eine Stelle als Amtsarzt ausgeschrieben, leider bisher ohne Erfolg. „Dennoch kommen unsere Ärzte ihrer Vorsorgepflicht nach. Vorrang hat die Einschuluntersuchung aller schulpflichtigen Kinder, die mit großem Engagement der Ärzte vollständig erfolgt und auch so mit dem zuständigen Ministerium in Schwerin abgestimmt ist“, so die Fachdienstleiterin. Da sich der Zeitraum der Einschuluntersuchungen von November bis zu Beginn der Sommerferien erstrecke, bleibe kaum Zeit für eine Untersuchung der Kinder anderer Klassenstufen. Wobei bei den höheren Klassen immer als Schwerpunkt die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf zuerst untersucht werden, so Dr. Ute Siering. Dass der Kreis damit im Land das Schlusslicht bildet, sei „leider ein Armutszeugnis“, sagt die Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreistages, Barbara Borchardt (Linke). Der Fachdienst bemühe sich sehr, die notwendigsten Untersuchungen zu machen. „Aber aufgrund des Personalmangels im Gesundheitsdienst ist die Vorgabe im Ganzen so nicht mehr ordnungsgemäß durchführbar“, so Borchardt. Der Ärztemangel hat aber auch einen finanziellen Hintergrund. Im öffentlichen Gesundheitsdienst verdienen die Mediziner weniger als ihre Kollegen in Praxen und Krankenhäusern. In Mecklenburg-Vorpommern sind neben der Schuleingangsuntersuchung auch Gesundheitskontrollen in den Klassen vier und acht gesetzlich vorgeschrieben, doch je älter die Kinder, um so schlechter die Quote.

Dieses Bild zeigt sich auch bei den zahnärztlichen Reihenuntersuchungen. Für die 26 500 Schüler im Kreis sind zwei Zahnärztinnen zuständig. Die Folge: Die Klassen fünf und sechs konnten im vergangenen Schuljahr nicht untersucht werden, von den 6800 Realschülern waren es nicht ganz zehn Prozent. Andere Bundesländer hätten auf diesen Mangel schon reagiert, so Barbara Borchardt: „Wenn unser öffentlicher Gesundheitsdienst nicht in der Lage dazu ist, muss man schon die Frage stellen, ob man das nicht so wie andere Länder lieber an die Kinderärzte abgibt, die die Kinder ohnehin schon länger betreuen und die langfristige Entwicklung im Blick haben.“ Allerdings wäre darüber eine politische Diskussion zu führen. Denn die amtsärztlichen Aufgaben sind Hoheitsaufgaben des Staates. Ob man sie aufgibt, muss letztlich der Gesetzgeber entscheiden.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

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