Kommentar: Kinderlos

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04. November 2011, 12:05 Uhr

Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Schicksalsschlag. Wenn die Biologie dem Wunsch eines Paares nach Nachwuchs einen Strich durch die Lebensplanung macht, steht die Medizin bereit. Aber darf sie wirklich alles tun, was möglich ist?

Der Gesetzgeber hat sich nach einer intensiven Diskussion auf eine wohltuende Linie verständigt, indem er das Wohl des Kindes zur Richtschnur seiner Regelungen machte: Wenigstens die Mutter soll unzweideutig auch der genetische und biologische Mittelpunkt eines Menschen sein. Das ist der Grundsatz, den der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg nun bekräftigt hat: Es darf keine Aufspaltung in eine genetische Mutter und eine biologische, die das Kind austrägt, geben. Leihmutterschaft in allen denkbaren Varianten ist verboten. Um des Kindes willen. Denn bei allem Respekt vor dem ungewollten Schicksal derer, die sich ein Kind wünschen, muss der Staat darauf verweisen dürfen, dass ein Elternpaar für das Kind da ist und nicht umgekehrt. Und dass es manchmal sogar seine Aufgabe sein kann, ein noch nicht geborenes Leben vor seinen zu allem entschlossenen Möchtegern-Eltern zu schützen.

Die juristische und nunmehr höchstrichterliche Feststellung hat nichts damit zu tun, dass es in der Lebenswirklichkeit von Patchwork-Familien genau zu jenen „ungewöhnlichen“ Familienkonstellationen kommen kann, vor denen der Gerichtshof nun gewarnt hat. Dass der Gesetzgeber dort nicht eingreifen darf, versteht sich von selbst. Aber dort, wo der Staat zugunsten eines Kindes schützende Regelungen erlassen kann, hat er nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, dies zu tun. Dies mag mit der vermeintlich sorgenfreien Lebenswirklichkeit, die Prominente in Klatsch-Magazinen ausbreiten, wenig zu tun haben. Aber letztlich ist es für eine derart grundlegende Frage nicht wichtig, ob Herr oder Frau Prominent irgendeinen Sonderweg für sich glaubt legitimieren zu können. Entscheidend sind die Situation und die psychische Stabilität des Kindes, für das die Verantwortung schon vor der Zeugung beginnt. Wie sich dieser kleine Mensch fühlt, wenn er erfährt, dass er mehrere Mütter hat, dass er sogar eine Mutter hat, die ihre Zellen verkaufen musste, wird in den Hochglanz-Magazinen nicht erwähnt.

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