Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik : Christina Schultz behauptet sich in einer Männerdomäne

Bei Wind und Wetter arbeitet Christina Schultz draußen.

Bei Wind und Wetter arbeitet Christina Schultz draußen.

von
16. Januar 2019, 14:27 Uhr

Wie ist es als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten? Diese Frage wird Christina Schultz, Auszubildende zur Elektonikerin für Betriebstechnik bei E.DIS, oft gestellt, denn erst seit ein paar Jahren entdecken immer mehr junge Frauen diesen Beruf für sich.

Derzeit befinden sich zwei junge Frauen bei E.DIS in Rostock in der Ausbildung. „Seitdem junge Frauen in den Ausbildungsjahren sind, sind die Lehrjahre gleich viel ruhiger. Das Zusammenleben unter den Azubis ist gleich ganz anders“, erinnert sich Christina Schultz an Erzählungen ihrer Ausbilder und Lehrer in Rostock.

Voraussetzungen sind technisches Verständnis und Interesse

Sie selbst komme ziemlich gut mit den männlichen Kollegen aus, egal ob in der Berufsschule, in der Werkstatt oder im Meisterbereich: „Natürlich sollte man technisches Verständnis und auch Interesse mitbringen, wenn man sich für die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik entscheidet.“

Das Interesse am Handwerk habe sie „bei haushaltsnahen Arbeiten entdeckt, bei denen ich meinem Vater oft helfe“, erzählt Schultz, die im Frühjahr 2020 ihre Ausbildung abschließt. Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung verbringt sie die Zeit nicht nur im Bildungszentrum und in der Berufsschule, sondern kann auch in die verschiedensten Bereiche des Unternehmens reinschnuppern. Auszubildende lernen zum Beispiel den Meisterbereich kennen, in dem sie nach der erfolgreichen Ausbildung eingesetzt werden.

Bei jedem Wetter unterwegs

Auch die Vertragsfirmen der E.DIS und viele weitere Fachabteilungen durchläuft sie. „Während die Azubis in den Werkstätten in Rostock und Brandenburg an der Havel die grundlegenden Fachkenntnisse beigebracht bekommen, werden sie in den Meisterbereichen mit der beruflichen Zukunft konfrontiert“, sagt die 20-Jährige, die mit ihren Eltern und ihrer Schwester an der Mecklenburgischen Seenplatte wohnt.

Egal ob bei Schnee, Sturm oder Sonnenschein, die Mitarbeiter von E.DIS sind immer unterwegs, damit im Störfall schnellstmöglich die Stromversorgung wiederhergestellt wird. Christina Schultz ist mit den Kollegen im Meisterbereich unterwegs und wird so auf die berufliche Zukunft vorbereitet. Sie soll nach der Ausbildung am Standort Röbel eingesetzt werden.

Damit sie die Kollegen von Anfang an unterstützen kann, lernt sie während der Zeit im Meisterbereich das Stromnetz und die Trafostationen kennen. „Das Wichtigste ist, dass man sich aufeinander verlassen kann und sich untereinander versteht“, erinnert sich die Auszubildende an Gespräche mit den Kollegen.

So sieht Christinas Tagesablauf aus

Sie selbst beschreibt ihren Tagesablauf so: „Ich werde morgens von einem Kollegen abgeholt. Meistens fahren wir zuerst ins Büro und prüfen die E-Mails auf neue Informationen und Aufgaben. Als nächstes schaut der Kollege in das Programm der Auftragssteuerung, um nachzusehen, welche Aufträge für ihn an diesem Tag geplant sind. Sobald ein Überblick über die Aufträge verschafft wurde, wird der Tagesablauf festgelegt.“  So müssen beispielsweise Schaltungen geplant, Kundeninformationen verteilt und Baustellen betreut werden.

Doch es gibt auch noch andere wichtige Arbeiten, die ausgeführt werden müssen. So stellt Schultz zusammen mit den Kollegen Schachtgenehmigungen für die Firmen aus, die bei E.DIS nach einer Einweisung vor Ort angefragt haben. Sie ortet Kabel, wartet Stationen und Hausanschlusskästen. All das wurde ihr bereits im Laufe des zweiten Lehrjahres beigebracht.

Ausführen von Schaltanweisungen im dritten Lehrjahr

Seit sie im dritten Lehrjahr ist, darf sie bei angesetzten Schaltungen auch Schaltanweisungen ausführen, das heißt Schaltungen im Stromnetz durchführen –  unter strenger Aufsicht ihrer erfahrenen Kollegen. „Die Kollegen haben wirklich viel Geduld, wenn einiges nicht auf Anhieb funktioniert. Sie geben wertvolle Tipps und leisten wenn nötig Hilfestellung“, erzählt Schultz.

Bevorzugt zum Ende des Jahres werden die Freileitungsstrecken inspiziert, um Mängel frühzeitig zu erkennen und deren Beseitigung planen zu können. „Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, ich folge dem Leitungsverlauf auf dem Acker oder durch den Wald und begutachte die Leitungen“, erklärt sie. Denn so lerne man das Netz am besten kennen. „Dort schaue ich mir die einzelnen Masten an, klopfe sie im Bedarfsfall ab, um zu hören, ob sie morsch sind. Danach notiere ich die Mastnummer auf dem Formular, schreibe, wenn vorhanden, Mängel auf und schaue mir auf dem Weg zum nächsten Mast den Zustand der Seile an“, erklärt sie weiter.

Zwischen den einzelnen Masten, wo die Leitung am tiefsten hängt, werde der Abstand zum Boden gemessen. Ganz wichtig bei den Höhenmessungen sei es, die Umgebungstemperatur mit zu notieren. „Denn wenn es warm ist, hängt die Leitung tiefer durch und wenn es kalt ist, zieht sie sich wieder zusammen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen