Rostock : Begeisterter Ansturm aufs Polarium

Den Eisbären kommen Besucher ab heute ganz nah – und Noria ist kontaktfreudig.
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Den Eisbären kommen Besucher ab heute ganz nah – und Noria ist kontaktfreudig.

Neue Großattraktion des Rostocker Zoos eröffnet. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verteidigt dessen Bedeutung für den Tierschutz. Ein dritter Eisbär zieht im Oktober ein.

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21. September 2018, 23:30 Uhr

Das lange Warten hat ein Ende – das Polarium im Rostocker Zoo eröffnet heute. Für Mitarbeiter, Bauleute, Tierpaten von Eisbären und Pinguinen sowie Unterstützer verschiedenster Art gab es gestern bei ersten Führungen einen exklusiven Vorgeschmack.

„Unglaublich!“ – Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) schritt genauso begeistert wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) durch das neue Besucherzentrum, zielgerichtet hin zur dicken Sichtscheibe ins Wasserbecken von Eisbär Akiak. „Allein, wie der sich bewegt“, staunte der OB. Akiak taucht an ihm vorbei – zum Greifen nah, schaufelt anmutig mit den Pranken seinen riesigen Körper geschmeidig gleitend durch das türkisblaue Wasser. Diese neue Attraktion des Zoos, das Polarium, sei ein Gewinn für Rostock, lobte Methling. Und nicht nur für die Stadt, unterstrich Glawe. „Das ist ein Highlight für ganz MV.“

„Wir machen – wie beim Darwineum – die Kombination aus Naturkundemuseum und Zoo“, sagte Direktor Udo Nagel. „Wir erzählen die Geschichte der Eisbären, der Pinguine, der Entdeckung des Nord- und Südpols. Wir wollen auch Kampagnen fahren gegen die Vermüllung der Meere und wollen auch auf den Klimawandel aufmerksam machen.“ Das alles sei im Polarium verpackt. „Die Eröffnung einer solchen neuen Anlage ist für uns ein Privileg“, sagte der Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten, Olivier Pagan. So etwas sei nachhaltig, auch für die Bedeutung der Institution Zoo an sich – für Bildung, Forschung und Artenschutz. Der Rostocker Zoo sei wahrlich „eine Quelle für Mut und Motivation für andere“, sagte Pagan.

Ein Lob, das an das ganze Zoo-Team ging, besonders auch an Antje Zimmermann und Robert Maaß, die Projektleiter des Polariums. Die beiden konnten gestern erst mal durchatmen. Knapp ran bis zur Eröffnung hatten die verbliebenen der mehr als 50 Bau-firmen noch Restarbeiten vorgenommen. Und nach nur etwas mehr als einem Jahr Bauzeit ist das Polarium bis auf kleine Aufwertungen im Außenbereich fertig. „Es ist immer eine Gemeinschaftsaufgabe – Land, Zoo, Stadt“, sagte Nagel. 14,21 Millionen Euro kostet das Polarium. Damit ist es um rund 2,5 Millionen Euro teurer als geplant, mitunter aufgrund von Baukostensteigerungen. Das sind Mehrkosten, die erst mal gestemmt werden müssen.

Aufgrund der großen Bedeutung des Polariums auch für MV und ebenso als saisonverlängernde Maßnahme, „haben wir uns entschieden, dieses Polarium zu fördern“ – und zwar zum gleichen Prozentsatz wie vorher anvisiert: mit 90 Prozent.

Kritikern des Polariums, die die Tierhaltung in Zoos anprangern, bot unter anderem Ministerpräsidentin Schwesig die Stirn. Der Zoo sei mehr als ein Tourismus-Magnet. „Wenn man diese Tiere sieht, entsteht erst das Verständnis, dass man sie unterstützen muss“, sagte Schwesig. „Das ist ein wichtiger Beitrag für den Tierschutz weltweit.“ Entsprechend glücklich macht Nagel die neue Partnerschaft als Botschaftszentrum zu Polar Bear International. Als Vertreterin kam gestern Thea Bechshoft. Sie vermittelt zwischen Zoos, Unis und Forschern. „Zoos im Netzwerk zu haben ist unglaublich wichtig. Man kann den Bären in der Wildnis nur helfen, wenn man die Eisbären drinnen hat.“ So könnten Methoden entwickelt und auf deren Zuverlässigkeit geprüft werden.

Für seine beiden neuen Eisbären Noria und Akiak findet der Zoo-Chef nur ein Wort – „traumhaft“. Und die Hoffnung auf Nachwuchs ist groß. Beim Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Eisbären (EEP) hat Kuratorin Antje Zimmermann sogar erfolgreich noch ein Weibchen beantragt. „Wir planen, wieder in die Zucht einzusteigen“, sagte sie gestern. Damit wolle der Zoo wieder drei Stammtiere etablieren, die hoffentlich für Nachwuchs sorgen. Woher das Weibchen stammt, wird noch geheim gehalten. Ankommen soll sie aber im Oktober.

Morgen, am Sonntag, wird mit einem Fest die Eröffnung gefeiert: von 10 bis 17 Uhr am Veranstaltungsplatz.

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