Verkehr : Auch Schwesig will Azubi-Ticket in MV - Linke: Sofort!

Manuela Schwesig (SPD). /zb/dpa/Archivbild
Manuela Schwesig (SPD). /zb/dpa/Archivbild

Seit Jahren fordern Handwerkskammern und Unternehmerverbände freie Fahrt für Azubis mit Bus und Bahn. Wie bezahlen? Die Politik wehrte den Vorstoß bislang ab. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.

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15. Januar 2020, 14:36 Uhr

Die Bereitschaft der Unternehmen, sich an der Finanzierung zu beteiligen, bringt das kostenfreie Azubi-Ticket für Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern in greifbare Nähe. «Wir sollten dieses Jahr nutzen, um ein Konzept zu entwickeln. Das Azubi-Ticket muss eine gemeinsame Aktion mit gemeinsamer Finanzierung sein», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Ein solches Ticket sei gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern eine ganz konkrete Unterstützung für junge Menschen.

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, mahnte eine rasche Entscheidung an. «Es ist allerhöchste Zeit, dass das Azubi-Ticket kommt. Der Fachkräftemangel spitzt sich immer weiter zu, wir müssen den Jugendlichen Hürden aus dem Weg räumen», sagte sie zur Begründung. Damit solle auch die Abwanderung von Schulabgängern in andere Bundesländer mit besseren Ausbildungsbeihilfen reduziert werden.

Sie sei überzeugt davon, dass die Finanzierung gemeinsam mit den Unternehmen rasch geklärt werden könne, sagte die Oppositionspolitikerin. Mecklenburg-Vorpommern könne zudem auf Erfahrungen von sechs anderen Bundesländern zurückgreifen, in denen es bereits ein Azubi-Ticket gebe. Für die Landtagssitzung Ende Januar kündigte Oldenburg einen Antrag ihrer Fraktion zum Azubi-Ticket an und forderte SPD und CDU auf zuzustimmen.

Bislang hatte die von ihr geführte SPD/CDU-Regierung Forderungen insbesondere des Handwerks nach einem solchen Ticket mit Verweis auf eine fehlende seriöse Finanzierung zurückgewiesen. Koalitionspartner CDU machte allerdings deutlich, dass er Freifahrten mit Bus und Bahn zu Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben ebenfalls befürwortet.

«Der stiefmütterliche Umgang mit der beruflichen Bildung muss beendet werden», hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller erklärt. Andere Bundesländer seien bei der Einführung solcher Tickets «deutlich bemühter», was sie für Schulabgänger auch aus Mecklenburg-Vorpommern interessant mache. In der Vorwoche hatte Arbeitgeber-Präsident Thomas Lambusch die SPD ermahnt, beim Azubi-Ticket endlich die Bremse zu lösen, zugleich finanzielle Unterstützung der Wirtschaft angeboten.

Die Junge Union sieht allerdings allein die Landesregierung in der Pflicht: «Die Bereitstellung attraktiver Mobilitätsangebote in einem Flächenland ist nicht Aufgabe der Wirtschaft, sondern die Aufgabe der Politik», heißt es in einer Mitteilung der CDU-Nachwuchsorganisation. Sie schlägt vor, Teile des auch für 2019 erwarteten dreistelligen Millionen-Überschusses im Landesetat für solche Vorhaben zu nutzen. Die Einführung eines landesweiten Studenten- und Azubi-Ticket sei dringend notwendig. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes in Uni-Städten könnten Studenten Wohnungen im näheren Umland mieten und zum Studienort pendeln.

Bislang gewährt das Land lediglich auf Antrag Fahrtkostenzuschüsse für Auszubildende. Nach Ansicht der oppositionellen Linken verpufft diese Förderung aber, weil die große Mehrzahl der rund 33 000 Lehrlinge im Land leer ausgehe. Diese müssten die Fahrtkosten zu ihren Ausbildungsplätzen und zur Berufsschule selbst tragen. Die Linke fordert ein landesweites kostenloses Schülerticket, Azubis eingeschlossen.

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