Prozesse : Ärztepfusch-Prozess geht ohne Angeklagten weiter

Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia. /dpa/Archivbild
Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia. /dpa/Archivbild

Ein in Rostock angeklagter Neurochirurg sitzt in schweizerischer Untersuchungshaft. Da er einer freiwilligen Auslieferung nicht zustimmt, verhandelt das Landgericht der Hansestadt nun ohne ihn.

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19. November 2019, 15:19 Uhr

Der Ärztepfusch-Prozess gegen einen Neurochirurgen vor dem Landgericht Rostock geht ohne den Angeklagten weiter. Das Gericht lehnte am Dienstag den Antrag der Verteidigung ab, den Prozess abzusetzen. Hintergrund ist, dass der 56-jährige Mediziner, dem schwere und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird, seit Kurzem in der Schweiz in Untersuchungshaft sitzt. Wie das Gericht berichtete, hat der Angeklagte einer freiwilligen Auslieferung durch die Schweizer Behörden nicht zugestimmt. Er sei damit eigenmächtig dem Prozess ferngeblieben. Deshalb könne die Verhandlung ohne ihn zu Ende geführt werden. Als nächster Termin wurde der 9. Dezember festgelegt.

Der Anklage zufolge soll der Arzt im Jahr 2010 eine Patientin zu einer unnötigen Hals-Operation überredet und diese extrem fehlerhaft erledigt haben. Die inzwischen 47 Jahre alte Frau ist seit der Operation dauerhaft krank und berufsunfähig.

Für die Kammer lag es am Dienstag nahe, dass sich der Arzt durch seine Fahrt in die Schweiz dem Verfahren in Rostock entziehen wollte. Laut Auskunft der schweizerischen Behörden werde er dort wegen Betrugs, Körperverletzung und Urkundenfälschung verfolgt. Er müsse gewusst haben, dass dort ein Haftbefehl gegen ihn vorliege, sagte der Richter. Er sprach von einer möglichen Prozessverschleppung. Beobachter vermuteten, dass der Arzt die Hoffnung haben könnte, dass bei einem erneuten Aufrollen des Prozesses eine mildere Strafe folgen könnte. Die Anwälte kündigten an, nun in die Schweiz zu fahren, um ihren Mandanten persönlich zu sprechen.

Wegen Abrechnungsbetrugs in Höhe von mehr als einer Million Euro gegenüber den Krankenkassen war der Arzt 2014 zu vier Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Im laufenden Prozess hatte die Staatsanwaltschaft Ende September acht Jahre Gefängnis und ein lebenslanges Berufsverbot für den Arzt gefordert. Der Anwalt der Geschädigten forderte neun Jahre und sechs Monate Haft. Er hatte schon auf die mögliche Fluchtgefahr aufmerksam gemacht und einen Haftbefehl gefordert.

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