Neue Oxfam-Studie : Diese acht Männer haben mehr Geld als die Hälfte aller Menschen

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In einer Studie beschreibt Oxfam, wie sich die Wohlstandsschere immer weiter öffnet.

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erstellt am 16.Jan.2017 | 14:59 Uhr

Davos | Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Entwicklungsorganisation Oxfam vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt hat. Laut von Oxfam zusammengestellten Daten besitzen die acht reichsten Menschen der Welt - allesamt Männer - gemeinsam ein ähnlich großes Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit (3,7 Milliarden Menschen) – nämlich rund 426 Milliarden US-Dollar. Das reichste Prozent der Menschheit besitzt demnach seit 2015 mehr als der gesamte Rest.

Zugrunde liegen der Studie Daten aus verschiedenen Quellen, die Oxfam zusammengetragen hat. So führte die Organisation etwa Forbes-Schätzungen zum Vermögen der acht reichsten Männer mit Schätzungen zum weltweiten Vermögen der Bank Credit Suisse zusammen. Das sind die acht reichsten Männer der Welt:

1. Bill Gates, Microsoft

 

  • Geschätztes Vermögen: 75 Milliarden Dollar

2. Amancio Ortega, Modekette Zara

Amancio Ortega
Amancio Ortega Foto: dpa
 
  • Geschätztes Vermögen: 67 Milliarden Dollar

3. Warren Buffett, Berkshire Hathaway

 

  • Geschätztes Vermögen: 60,8 Milliarden Dollar

4. Carlos Slim Helu, telecom Mexiko

Carlos Slim Helu
Carlos Slim Helu
 
  • Geschätztes Vermögen: 50 Milliarden Euro

5. Jeff Bezos, Amazon

 

  • Geschätztes Vermögen: 45,2 Milliarden Euro

6. Mark Zuckerberg, Facebook

 

  • Geschätztes Vermögen: 44,6 Milliarden Euro

7. Larry Ellison, Oracle

 

  • Geschätztes Vermögen: 43,6 Milliarden Euro

8. Michael Bloomberg, Bloomberg LP

Michael Bloomberg
Michael Bloomberg Foto: dpa
 
  • Geschätztes Vermögen: 40 Milliarden Euro

Die Daten zeigen, dass die Ungleichheit über die Zeit zugenommen hat. Demnach wuchs das globale Einkommen weltweit von 1988 bis 2011 um rund 11,9 Billionen Euro. Die reichsten zehn Prozent profitierten davon am meisten. Auf sie entfiel laut der Daten mehr als 45 Prozent der Steigerung. In Deutschland lag der Zuwachs des reichsten Zehntels demnach bei 34 Prozent.

Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, nennt die Ergebnisse der Studie erschreckend. „Diese schier unbegreifliche Form der Vermögenskonzentration ist unanständig und gefährlich.“ Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, spricht von einem „abartigen Ausmaß an Ungleichheit.“ Und Joachim Poß, der für die SPD im Bundestag sitzt, nennt die Entwicklung sozial ungerecht und ökonomisch schädlich.

Die Organisation macht für die Ungleichheit politische und unternehmerische Fehlentwicklungen verantwortlich. Sie fordert, dass Staaten stärker kooperieren anstatt gegeneinander in einen Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmenssteuern zu treten. Gleichzeitig sollen sie unternehmerisches Handeln fördern, das sich weniger auf Kapitalgeber und stärker auf Arbeiter und Umweltkosten konzentriert. Kritikpunkt ist zudem das Bruttoinlandsprodukt als Indikator für Wohlstand. Unbezahlte Arbeit innerhalb von Familien trage zum Wohlstand einer Gesellschaft bei, werde vom BIP aber nicht gemessen.

Doch Oxfams Methodik ist nicht unumstritten. Denn die Zahlen, auf die sich die Organisation stützt, betrachten das so genannte Nettovermögen. Wer einen Kredit hat, fällt damit schnell auf Null zurück oder hat sogar ein negatives Vermögen. Die Datenbasis der Oxfam-Studie besagt zum Beispiel, dass die ärmsten zehn Prozent der Menschheit ein negatives Vermögen von fast 1100 Milliarden US-Dollar haben. Die 40 Prozent darüber besitzen demnach mehr als 1500 Milliarden. Nur durch die Hypothek der unteren zehn Prozent landet die gesamte Gruppe unter dem Vermögen der reichsten acht Milliardäre.

„Durch diese Berechnung gilt zum Beispiel ein verschuldeter Student in den USA als arm, obwohl er wahrscheinlich in Zukunft viel Geld verdient“, sagt Judith Niehues vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Nach der Berechnungsmethode gehört ein Drittel der Europäer zur ärmeren Hälfte der Welt.“ Die Forscherin betont, dass zum Beispiel Rentenansprüche oder soziale Sicherheitsnetze nicht zum Vermögen zählten, und deshalb das Vermögen als alleiniger Indikator für Wohlstand nicht ausreiche.

Niehues weist darauf hin, dass in Europa gerade in Ländern mit starken sozialen Sicherungssystemen das Vermögen ungleicher verteilt sei. „Vermögen entsteht auch, wenn die Menschen privat für ihr Alter vorsorgen. In Ländern mit starkem sozialen Netz passiert das weniger.“ An Transparenz mangelt es der Oxfam-Studie jedoch nicht: Die Organisation legt alle ihre Quellen offen, ebenso die Zählmethoden, die für die einzelnen Ergebnisse benutzt wurden. „Wir wollen dafür sorgen, dass die verschiedenen Ideen diskutiert werden, die zu einem Ende der extremen Vermögenskonzentration auf der Welt führen können“, sagt eine Sprecherin.

Denn dass das Vermögen der Welt tendenziell immer ungleicher verteilt ist, steht für die meisten Kommentatoren trotz strittiger Details bei der Berechnung außer Frage. Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betont: „Die Ränder der Gesellschaft fransen aus. Das ist eine Frage, die weltweit bewegt.“

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