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„Sozialtourismus“ : „Unwort“ diskriminiert Menschen, die eine bessere Zukunft suchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 00:34 Uhr

„Sozialtourismus“ ist das „Unwort des Jahres 2013“. „Von einigen Politikern und Medien wurde gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht“, begründete die Jury unter Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich gestern in Darmstadt die Wahl. „Dies diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu.“

Für das „Unwort“ gingen dieses Mal 1340 Einsendungen ein, weniger als in den beiden Jahren davor. Die Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991. Dieses Jahr wählte das Gremium einen Begriff, der nicht oft vorgeschlagen worden war: „Sozialtourismus“ war nur dreimal genannt worden. Am häufigsten genannt wurde für das Jahr 2013 mit 45 Vorschlägen „Supergrundrecht“ – eine Bezeichnung, die während der NSA-Abhöraffäre der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich gebraucht hatte. Der CSU-Politiker vertrat die Ansicht, für Deutsche sei Sicherheit ein extrem wichtiges Recht, ein „Supergrundrecht“. Es stehe höher als andere Grundrechte.

Der Ausdruck „Sozialtourismus“ gehöre zu einer Gruppe weiterer Unwörter, die diese Stimmung befördern wie etwa „Armutszuwanderung“, sagte Janich weiter. „Sozialtourismus ist fast das Gleiche wie Armutszuwanderung. Sozialtourismus treibt die Unterstellung einer böswilligen Absicht jedoch auf die Spitze.“ Den Begriff „Sozialtourismus“ habe laut Jury Staatssekretär Günter Krings (CDU) aus dem Bundesinnenministerium neu in Umlauf gebraucht.

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