Urteil zum Numerus clausus : Studienplätze gerechter verteilen

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Numerus clausus im Medizinstudium war umstritten / Auch nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bleiben Hürden hoch

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19. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Der Weg zum Medizinstudium führte bisher nur über ein herausragendes Abitur oder viel Geduld. Geklagt gegen die Vergabepraxis hatten zwei Bewerber aus Schleswig-Holstein und Hamburg – und gestern in Teilen Recht bekommen. Auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Änderungen am Verfahren verlangt, bleiben die Hürden hoch. Hintergründe von Sönke Möhl:

Warum ist ein Auswahlverfahren nötig?

Auf jeden Studienplatz für Humanmedizin in Deutschland kommen fünf Bewerber. Allein zum Wintersemester standen knapp 9200 Studienplätzen fast 43 200 Bewerber gegenüber. Eine wichtige Rolle bei der Vergabe spielt die Abiturnote. Einen Numerus clausus (NC, lateinisch für begrenzte Anzahl) gibt es für zahlreiche Studienfächer. Er gilt entweder regional oder bundesweit, wie bei Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie.

Welche Wege führen zu einem Studienplatz?

Ein sehr gutes Abitur kann Bewerbern einen Studienplatz sichern. 20 Prozent der Plätze werden nach diesem Kriterium (Bestenquote) vergeben. Aktuell ist ein Schnitt von 1,0 bis 1,2 dafür nötig. Ein weiteres Fünftel wird nach Wartezeit vergeben. Dafür ist aber viel Geduld erforderlich – inzwischen sind es 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Studienplätze können die Hochschulen in einem eigenständigen Auswahlverfahren vergeben. Aber auch dabei spielt die Abiturnote eine wichtige Rolle. Zusätzlich kann es Tests geben. Bewerber können ihre Chancen durch Qualifikationen verbessern.

Was muss nach dem Urteil anders werden?

Die Verfassungsrichter sehen eine verpflichtende Festlegung auf sechs Studienorte bei der Verteilung nach Abiturnote als nicht zulässig an. Sie könnte dazu führen, dass ein Bewerber an seiner Wunsch-Uni keinen Studienplatz bekommt, obwohl er anderswo zum Zuge gekommen wäre. Bei der Wartezeit muss es künftig eine Begrenzung geben, u. a. weil der Studienerfolg mit der Länge der Wartezeit abnimmt. Schließlich müssen die Unis bei der Auswahl nach einem eigenen Verfahren in einer standardisierten und transparenten Weise vorgehen. Dabei darf nicht die Abiturnote allein ausschlaggebend sein. Weitere Kriterien der Eignung für den Arztberuf oder entsprechende Vorbildungen sollen berücksichtigt werden. Auch müsse künftig für eine Vergleichbarkeit der Abiturnoten aus unterschiedlichen Bundesländern gesorgt werden.

Wie geht es weiter?

Das Bundesverfassungsgericht fordert Gesetzesänderungen bis zum 31. Dezember 2019. Bis dahin dürfen die Bewerbungs- und Auswahlverfahren wie bisher weiterlaufen, obwohl sie teilweise gegen das Grundgesetz verstoßen. Der Erste Senat hat die Regelungen nicht für nichtig erklärt, weil damit ein Zustand geschaffen würde, „der der verfassungsmäßigen Ordnung noch ferner stünde als die verfassungswidrige Regelung“.

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