zur Navigation springen

Slogans : „Schwerin macht glücklich“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele deutsche Städte schmücken sich mit Slogans / Experte verrät: Einwohner müssen hinter der Werbebotschaft stehen

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Die meisten größeren Städte in Deutschland haben ihn: den eigenen Slogan. Mal werden einzigartige Sehenswürdigkeiten versprochen, mal sogar Zuneigung. Von „München mag dich“ bis „Kiel – Sailing City“ werben Städte von Nord bis Süd mit ihren Vorzügen. Das kann aber auch schiefgehen. „Das Gefühl, dass immer mehr Städte das anwenden, ist nicht ganz falsch“, sagt Bernd Radtke, Autor des Buches „Stadtslogans zur Umsetzung der Markenidentität von Städten“. Er ist überzeugt: Jede Stadt ist eine Marke.

Mit dem Spruch „Schwerin macht glücklich“ wirbt seit 2010 beispielsweise die Landeshauptstadt von MV. Entwickelt wurde der Spruch von den Grafikdesignerinnen Antje Kapanke und Luise Kolpin. „Schwerin ist eine Stadt zum Wohlfühlen. Vor allem für junge Familien ist es angenehm, in dieser Stadt der kurzen Wege zu arbeiten und zu leben“, so Antje Kapanke.

„Lohne lohnt sich“ verspricht eine niedersächsische Stadt selbstbewusst. Aber stimmt das auch? Na klar, beteuert Stadtsprecher Christian Tombrägel. „Wir sind ein starker Wirtschaftsstandort und haben fast keine Arbeitslosigkeit.“ Aber warum braucht Lohne dann überhaupt einen Slogan? „Wir sind daran interessiert, von der Stadt ein positives Image zu vermitteln“, sagt Tombrägel, „weil wir nicht mit großen Bauwerken oder historischen Schlachten punkten können, müssen wir auf anderem Wege auf uns aufmerksam machen.“

Manche Städte sorgen bei dem Versuch aber durchaus für Verwirrung, sagt Radtke. Mannheim wirbt etwa mit dem Slogan „Leben im Quadrat“. Eigentlich sei das passend für die Stadt, deren Grundriss in Quadrate geteilt ist. Ortsfremde könnten mit dem Spruch unter Umständen aber nur wenig anfangen. Eigentlich müsse ein guter Slogan „für Einwohner als auch für Touristen ansprechend sein“.

Ähnlich schwierig sei das bei der Stadt Rendsburg in Schleswig-Holstein. Ihr Slogan: „Hier passiert die Welt.“ Wer nicht aus der Region komme, habe womöglich Schwierigkeiten, die Verbindung zum angrenzenden Nord-Ostsee-Kanal herzustellen.

Völlig über den Kopf der Einwohner hinweg dürfe ein Slogan auch nicht entwickelt werden: „Die Einwohner machen die Stadt aus“, sagt Radtke. Schwierig war das ausgerechnet für die Hauptstadt – zumindest am Anfang. Bei einer Umfrage unter Berlinern gaben 60 Prozent an, die Kampagne „be Berlin“ sei schlecht. Dabei richtet sie sich vor allem an die Bewohner selbst, wie die Macher erklären. Die Strategie: Wer sich mit seiner Stadt identifiziert, strahlt das auch im Kontakt mit Besuchern aus. Drei Millionen Euro jährlich lässt sich der Berliner Senat die Kampagne kosten. Die meisten denken bei der Hauptstadt aber wohl eher an deren inoffiziellen Slogan: „Arm, aber sexy.“

„Einwohner wollen in aller Regel, dass eine gewisse Vielfalt transportiert wird“, erklärt Radtke. „Externen reicht eine klare Botschaft.“ Schmerzlich musste das jüngst auch die Stadt Karlsruhe erfahren: Sie wollte ihren Slogan „Viel vor. Viel dahinter“ in „Karlsruhe - baden in Ideen“ umwandeln. Die Bewohner gingen jedoch auf die Barrikaden und verhinderten ihn.

Aber nicht jede Stadt braucht einen Werbespruch. Hamburg sei beispielsweise so stark als Marke, dass sie auf ihre Vorzüge gar nicht mehr aufmerksam machen müsse, sagt Radtke. Und noch etwas spreche gegen den eigenen Werbespruch: „Lieber kein Slogan als ein schlechter Slogan.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen