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Etwa 800 Menschenaffen : Neue Orang-Utan-Art auf Sumatra entdeckt

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Aus zwei mach' drei. Nach jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es eine weitere Art der Orang-Utans. Deswegen sind sie jedoch nicht weniger bedroht.

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 18:06 Uhr

Auf der indonesischen Insel Sumatra haben Forscher eine neue Art der Orang-Utans ausfindig gemacht. Nach jahrelangen Untersuchungen kamen sie zu dem Schluss, dass es sich bei einer Gruppe von etwa 800 Menschenaffen, die von anderen isoliert auf der Insel lebt, um eine eigenständige Art handelt.

Sie bekam - nach der dortigen Region - den Namen Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis). «Man findet nicht jeden Tag eine neue Art von Menschenaffen. Diese Entdeckung ist sehr aufregend», sagte Michael Krützen von der Universität Zürich, einer der beteiligten Forscher. Er und Kollegen präsentieren die Erkenntnisse in der Fachzeitschrift «Current Biology». Wegen des geringen Bestands gilt die neue Art als extrem gefährdet.

Der Orang-Utan (wörtlich: Waldmensch) gehört zu den nächsten Verwandten des Menschen. Männchen werden zwischen 50 und 90 Kilogramm schwer. Weibchen wiegen etwa die Hälfte. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte von China über Thailand und Vietnam bis nach Java. In all diesen Gegenden gibt es seit vielen tausend Jahren aber keine mehr.

Bislang ging man davon aus, dass heute nur noch zwei Arten existieren: eine auf Sumatra und eine auf der Nachbarinsel Borneo, also der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus). Die Tapanuli-Orang-Utans sind im Batang-Toru-Wald zuhause. Er liegt südlich des Tobasees im Norden Sumatras.

Bekannt war bereits, dass sich einige Orang-Utans auf Sumatra genetisch stark voneinander unterscheiden. Bislang ging man jedoch noch nicht so weit, zwei unterschiedliche Art zu benennen. Der Durchbruch kam nach Angaben der Wissenschaftler nun durch die Analyse des 2013 gefundenen Skelettes eines Tapanuli-Orang-Utans, der von Menschen getötet wurde. Beim Vergleich zu Orang-Utans, die nördlich des Tobasees leben, fanden sich große Unterschiede am Schädel und an den Zähnen.

Die Analyse von 37 Orang-Utan-Genomen ergab, dass der Schnitt zwischen Orang Utans aus dem Batang-Toru-Wald südlich des Tobasees und Orang Utans aus Regionen nördlich des Sees in der Evolutionsgeschichte mehr als drei Millionen Jahre zurück reicht. Borneo- und Sumatra-Orang-Utans wurden hingegen erst später voneinander getrennt, vor weniger als 700 000 Jahren.

«Die Batang-Toru-Orang-Utans scheinen direkte Nachkommen der ersten Orang-Utans zu sein, die vom asiatischen Festland herüberkamen», sagt der Forscher Alexander Nater von der Universität Zürich.

Das Forscherteam warnte zugleich vor einem baldigen Aussterben der Tapanuli-Orang-Utans. Sie seien vor allem durch Jagd und durch den geplanten Bau von Staudämmen gefährdet, die große Teile ihres Lebensraums zerstören würden. Bereits bei einer Sterblichkeitsrate von einem Prozent pro Jahr wäre ihr Überleben nicht mehr gesichert. «Würden nur 8 von 800 Tieren pro Jahr getötet oder auf andere Weise von der Population entfernt, würde die Art aussterben», heißt es in dem Bericht.

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