Kommerz im All : ISS soll verstärkt Weltraumtouristen beherbergen

Die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus.  Nasa/AP
Die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus.  Nasa/AP

Schwerelos für 35.000 Dollar pro Nacht: Ab 2020 soll die ISS verstärkt Touristen beherbergen. Zielgruppe sind nicht nur Superreiche, sondern auch die Wirtschaft. Gibt es bald Werbeclips aus dem All?

svz.de von
07. Juni 2019, 19:10 Uhr

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will Touristen ab 2020 in großem Stil und zu hohen Preisen auf der Raumstation ISS beherbergen.

«Die Nasa öffnet die Internationale Raumstation für kommerzielle Möglichkeiten und vermarktet diese, wie wir es noch nie zuvor gemacht haben», sagte Finanzchef Jeff DeWit am Freitag in New York. Dabei sollen Missionen von bis zu 30 Tagen pro Gruppe möglich sein. Ein solcher Trip zur ISS ist allerdings nicht billig: Die Kosten liegen demnach bei etwa 35.000 Dollar (knapp 31.000 Euro) - pro Tag und ohne An- und Abreise. Den Transportpreis schätzte DeWit auf etwa 50 Millionen Dollar.

Die genauen Kosten werden von den privaten Raumfahrtunternehmen festgelegt, mit denen die Nasa zusammenarbeiten will. SpaceX und Boeing sollen die privaten Crews zur ISS rund 400 Kilometer über der Erde bringen und auch wieder nach Hause fliegen. Sie seien auch dafür verantwortlich, dass die Besatzungen die medizinischen Voraussetzungen und Trainingsstandards für einen Aufenthalt auf der ISS einhalten. Die Nasa plant, bis zu zwei private Missionen pro Jahr auf der Raumstation zu beherbergen.

Die neue Zielgruppe der Raumfahrtbehörde sind nicht nur Superreiche, sondern auch die Privatwirtschaft. So könnten die ISS-Labore für kommerzielle Interessen geöffnet werden und Werbefilme im Weltraum gedreht werden, hieß es. Zudem kündigte die Nasa an, dass die Möglichkeit geschaffen werde, ein kommerzielles Modul an die Station anzudocken.

Das erklärte Ziel der US-Raumfahrbehörde ist es, das Budget für ihre geplante Mondmission 2024, bei der das erste Mal eine Frau auf dem Erdtrabanten landen soll, zu steigern. Der Schritt markiert eine grundlegende Veränderung in der wirtschaftlichen Strategie der Nasa und wird DeWit zufolge die Lasten für die US-Steuerzahler vermindern.

Die USA tragen den Großteil der Kosten für die ISS von weit mehr als drei Milliarden Euro im Jahr. Die Gesamtkosten für Aufbau und Betrieb belaufen sich nach Schätzungen bereits auf deutlich über 100 Milliarden Euro.

Die künftigen Gäste auf der ISS werden nicht die ersten privaten Besucher sein. Der erste von bisher sieben Weltraumtouristen dort war 2001 der amerikanische Multimillionär Dennis Tito.

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