Trotz aller Kritik : Warum eine Ärztin von homöopathischen Therapien überzeugt ist

Homöopathie ist höchst umstritten – trotzdem wird sie auch von vielen Ärzten angewendet.
Homöopathie ist höchst umstritten – trotzdem wird sie auch von vielen Ärzten angewendet.

Die einen sind begeisterte Anhänger – die anderen sehen darin nichts anderes als mitunter gefährliche Quacksalberei. Aktuell wird wieder darüber debattiert, ob homöopathische Arzneien überhaupt als solche bezeichnet werden dürfen, und ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür erstatten sollten. Die Ärztin Cornelia Bajic erklärt, warum sie trotz aller Kritik überzeugte Anwenderin ist.

von
06. November 2019, 07:49 Uhr

Osnabrück | Seit 1997 arbeitet Cornelia Bajic in ihrer Praxis in Remscheid klassisch-homöopathisch. Bis vor kurzem war sie Vorsitzende des Deutschen Zentralverbandes homöopathischer Ärzte.

Wirkungsweise unklar

Den Vorwurf, dass in homöopathischen Arzneien kein Wirkstoff sei, lässt die Ärztin nicht gelten. Nur der Wirkmechanismus sei noch nicht belegt, räumt sie ein. Zudem sei auch in der Schulmedizin nicht bei jedem Medikament der Wirkungsmechanismus vollständig klar. Sie ist sich sicher:

„Nur weil ich heute etwas nicht verstehen kann, heißt es nicht, dass da nichts wirkt“ Cornelia Bajic, homöopathisch arbeitende Ärztin

Die Ärztin sei zunächst selbst Skeptikerin gewesen, doch als sie bei Familienangehörigen gesehen habe, dass Homöopathie wirke, habe sie unbedingt die Zusatzausbildung machen wollen, um nachzuvollziehen, wie es funktioniere. Sie ist der Ansicht, dass nicht nur die Homöopathie, sondern die gesamte Medizin eine Wissenschaft ist, die zu größten Teilen auf Erfahrungen beruht.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Bajic sagt, sie könne viele Beispiele für gute Heilungserfolge durch Homöopathie nennen. „Würde es nicht funktionieren, würde ich es doch nicht schon seit mehr als 20 Jahren erfolgreich betreiben“, erklärt sie. Vor einiger Zeit habe sie eine Patientin mit homöopathischen Mitteln behandelt, die unter einer chronischen Darmerkrankung gelitten habe. Obwohl sie schon viele verschiedene Medikamente gegen ihre Krankheit bekommen habe, sei erst mit der Homöopathie eine Besserung eingetreten. Nach einigen Jahren, als die Frau schwanger geworden sei, seien die Beschwerden wieder aufgetreten: „Das kommt häufig vor, weil im Körper einer Schwangeren ja einiges passiert“, so Bajjic, „doch nach erneuter Behandlung hatten sich ihre Beschwerden nach drei Monaten wieder erledigt.“

Grenzen der eigenen Fähigkeiten

In Bezug auf die Behandlung schwerer Erkrankungen wie Krebs stellt Bajic klar, dass jeder Arzt die Grenzen seiner Fähigkeiten kennen müsse. „Ich würde nie einem Patienten von einer Standard-Krebstherapie abraten und ihn nur homöopathisch behandeln, wenn für die schulmedizinische Methode gute Therapieergebnisse belegt sind“, so die Ärztin. Das habe nichts mit der Therapie, sondern mit dem Therapeuten zu tun. Sie hält solche Fälle eher für ein Problem der Heilpraktiker, denn homöopathische Ärzte seien Mediziner und würden daher lebensbedrohliche Erkrankungen erkennen und adäquat behandeln. Homöopathie könne aber auch in solchen Fällen zusätzlich verabreicht werden und lindernd wirken.

Ein Tropfen auf das Wasser von 33 Badewannen: So stark oder noch stärker sind Wirkstoffe in homöopathischen Mitteln verdünnt. Warum schwören dennoch so viele Menschen darauf? Und wie soll ein solches Medikament überhaupt wirken? Unsere große Reportage zum Thema "Alles auf Zucker – Heilen ohne Wirkstoff: Das süße Globuli-Versprechen" lesen Sie hier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen