Seltene Krankheit : Todgeweihter Medizinstudent heilt sich selbst

David Fajgenbaum lag im Sterben, bevor er sich selbst heilte. Symbolfoto
David Fajgenbaum lag im Sterben, bevor er sich selbst heilte. Symbolfoto

Seine Eltern bestellten schon die letzte Ölung. Doch dann begann David Fajgenbaum zu forschen und stieß auf die Lösung.

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17. September 2019, 16:16 Uhr

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Ob David Fajgenbaum das nächste Jahr überhaupt noch erleben würde, das war Weihnachten 2013 mehr als unsicher. Der Medizinstudent aus Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina lag mit einer seltenen Krankheit im Krankenhaus. Die Zahl der lebenswichtigen Blutplättchen, die die Gerinnung unterstützen, nahm rapide ab. Ein leichter Stoß hätte ausgereicht, um eine Gehirnblutung auszulösen, berichtete der Nachrichtensender CNN. Ein Arzt riet ihm, seinen letzten Willen aufzuschreiben.


Langer Leidensweg

Bis zu diesem Tiefpunkt hatte Fajgenbaum bereits einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. 2010 kämpfte er als Medizinstudent an der University of Pennsylvania mit unerklärlicher Müdigkeit und heftigen Schmerzattacken. Seine Lymphknoten schwollen an und Tumore bildeten sich. Seine Organe waren geschwächt. Fünf Monate blieb er im Krankenhaus. Die Ärzte stellten die Diagnose: Morbus Castleman. Eine aggressive Chemotherapie rettete ihm das Leben – vorerst, die Krankheit kehrte zurück.

Morbus Castleman ist eine extrem seltene Krankheit der Lymphknoten und des umliegenden Gewebes. Weniger als einer von 100.000 Menschen erkrankt jedes Jahr daran. Die Forschung steht noch am Anfang, Medikamente wirken bei einigen Patienten, bei anderen nicht. Fajgenbaum erkannte, dass die Wissenschaft nicht schnell genug eine Therapie finden würde, die sein Leben retten könnte.

Fajgenbaum gründete Forschungsnetzwerk

Deshalb gründete er 2012 das "Castleman Disease Collaborative Network". Spitzenforscher arbeiteten intensiv an neuen Erkenntnissen. Er selbst beteiligte sich auch an den Forschungen.

Als er 2013 auf dem Sterbebett lag, studierte er seine Labordaten und stieß auf ein bereits zugelassenes Immunsuppressivum, das bisher bei Nierentransplantationen genutzt wurde. Nach Rücksprache mit Experten des National Institutes of Health, eine dem Gesundheitsministerium unterstellte Behörde, bat Fajgenbaum seinen Arzt ihm das Medikament zu verschreiben.

Heilung und Hochzeit

Und tatsächlich: Fajgenbaum wurde gesund. Die Krankheit ist seit fünf Jahren nicht mehr zurückgekehrt. Nur drei Monate nach seiner Heilung heiratete er seine Jugendliebe Caitlin.


Mittlerweile ist Fajgenbaum Assistenzprofessor an der University of Pennylvania. Er arbeitet in einem Labor, dass die Wirkung des Medikaments, das ihn geheilt hat, bei anderen Patienten untersucht. Über seine Krankheit und die unglaubliche Heilung hat der 34-Jährige ein Buch geschrieben. 2018, kurz vor der Geburt seiner Tochter Amelia, kam es auf den Markt.


Seine Behandlungsmethode half übrigens bereits anderen Patienten, wie Penny Deremer. Sie litt jahrelang unter verschiedenen Beschwerden, bevor Morbus Castleman diagnostiziert wurde und die Medikamente ihr Leben retteten.


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