25 Jahre nach Gesetzesänderung : Studie: Nur Bruchteil der heiratenden Frauen behält ihren Nachnamen

Deutsche Bräute entscheiden sich meist, den Nachnamen des Mannes anzunehmen. Nur einer von 16 Bräutigamen nimmt den Namen der Frau an.
Deutsche Bräute entscheiden sich meist, den Nachnamen des Mannes anzunehmen. Nur einer von 16 Bräutigamen nimmt den Namen der Frau an.

Längst können Frauen bei der Hochzeit ihren Namen behalten. Eine Studie zeigt aber, dass sie das meist gar nicht wollen.

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19. Dezember 2018, 17:05 Uhr

Wiesbaden | "Die Ägypterinnen behielten ihn. Die Römerinnen auch. Die Germaninnen sowieso. Und in 106 Ländern der Welt ist es selbstverständlich, dass Frauen ihn behalten. Nur die deutschen Frauen verloren ihn in der Neuzeit: ihren eigenen Namen und damit ihre Identität", schrieben die Feministinnen der Zeitschrift "Emma". Sie feierten im Jahr 1991 das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, wonach der Familienname nicht mehr automatisch der des Mannes wurde, wenn sich ein Paar nicht einigen konnte. Frauen durften ihren Geburtsnamen fortan behalten, drei Jahre später trat die entsprechende Gesetzesänderung in Kraft.

Rund ein Vierteljahrhundert später hat sich in der Praxis allerdings gar nicht so viel geändert. Denn allen Freiheiten zum Trotz mögen es Ehepaare in Deutschland gern traditionell – und die meisten Frauen verzichten heute freiwillig auf ihren Namen. Bei rund drei Viertel aller Eheschließungen wird auch heute noch der Name des Mannes zum gemeinsamen Ehenamen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlicht wurde.

Zwölf Prozent der Ehepartner behalten ihren Nachnamen

Nur einer von 16 Männern in Deutschland nimmt bei der Hochzeit den Nachnamen seiner Ehefrau an. Nur sechs Prozent der Paare entscheiden sich für den Familiennamen der Frau. Etwa doppelt so häufig kommt es laut Studie vor, dass beide Partner ihren eigenen Namen behalten.

Diese Beobachtungen hat auch Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e.V. (BDS) gemacht. Die Studienleiterin des Verbandes sagt: "Man ist noch sehr traditionell unterwegs." Meist einigen sich die Paare schon auf eine bestimmte Namensführung, wenn sie das Aufgebot bestellen – aber manchmal gebe es auch Überraschungen am Hochzeitstag, wenn dann spontan erklärt wird, man wolle doch den Namen des anderen annehmen. "Schatz, das ist mein Hochzeitsgeschenk an dich." Meistens, so sagt Tripp, machten Frauen dieses Geschenk.

"So ist es halt seit Jahrhunderten üblich"

Seit 1976 müssen sich Paare bei der Hochzeit nicht mehr zwangsläufig auf den Familiennamen des Mannes festlegen. Konnten sie sich allerdings nicht einigen, galt der Name des Mannes von der Heirat an für beide. Diese Regelung wurde mit besagter Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Inzwischen ist nicht einmal mehr ein gemeinsamer Familienname Pflicht. Das entsprechende Gesetz trat am 1. April 1994 in Kraft, jährt sich also im kommenden Jahr zum 25. Mal. Wie die Gesellschaft für deutsche Sprache in Befragungen von Ehepaaren herausgefunden hat, wird es oft mit der Tradition begründet, wenn sich ein Paar für den Familiennamen des Mannes entscheidet. "So ist es üblich, so hat man es seit Jahrhunderten gemacht", sagt Frauke Rüdebusch von der GfdS. "Diese Argumentation wird meist von den Männern selbst genutzt, die es mitunter als ein Zeichen von Schwäche, von Unmännlichkeit empfinden, wenn sie den Namen ihrer Frau annehmen. Dieses Denken ist in den Köpfen vieler Menschen noch stark verwurzelt."

Daneben gibt es laut der Studie noch viele andere Gründe wie den Klang des Namens, eine sonst aussterbende Familienlinie, einen Firmennamen oder eine auf dem Geburtsnamen aufgebaute berufliche Karriere. Der Kompromiss: der Doppelname, von dem acht Prozent der Paare Gebrauch machen. "Mich wundert, dass es nach wie vor so ungleich ist, welcher Name Männern und Frauen wie viel bedeutet", sagt die Soziologin Paula Villa von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. "Und mich wundert schon, wie problemlos eher Frauen ihren Namen aufgeben – das hat schon auch einen symbolischen Wert."

Die zehn häufigsten Nachnamen in Deutschland

Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) listet die häufigsten Nachnamen in Deutschland anhand der angemeldeten Telefonanschlüsse auf. Nach Angaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz ergeben diese Zahlen – mit 2,8 malgenommen – die ungefähre Zahl der Menschen, die den Nachnamen tragen. Müller kam 2005 auf 256.003 Einträge deutschlandweit und gilt damit als häufigster Familienname in Deutschland. Hier die Top Ten mit der jeweiligen Zahl der Einträge.

  1. Müller: 256.003
  2. Schmidt: 190.584
  3. Schneider: 115.749
  4. Fischer: 97.658
  5. Weber: 86.061
  6. Meyer: 83.586
  7. Wagner: 79.732
  8. Becker: 74.009
  9. Schulz: 73.736
  10. Hoffmann: 71.440

Leseraktion: Wie halten Sie es mit dem Nachnamen?

Schon erstaunlich: Bei rund drei Viertel aller Eheschließungen wird auch heute noch der Name des Mannes zum gemeinsamen Ehenamen. Irgendwie scheint die Gleichberechtigung da noch nicht angekommen zu sein. Warum haben Sie den Namen Ihres Mannes angenommen, obwohl Sie Ihren eigenen behalten konnten? Oder warum war es Ihnen wichtig, Ihren Geburtsnamen auch weiterhin zu führen? Schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften per Mail an leserbrief@medienhausnord.de

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