Reproduktionszahl : Wirrwarr um Corona-Ansteckungsrate – RKI senkt Wert wieder

Zahlreiche Menschen sind zu Fuß und auf dem Fahrrad auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.
Zahlreiche Menschen sind zu Fuß und auf dem Fahrrad auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.

Laut dem Robert-Koch-Institut ist die Reproduktionsrate am Dienstag wieder leicht gesunken und liegt jetzt bei 0,9.

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28. April 2020, 16:38 Uhr

Berlin | Nach einem aktuellen Lagebericht schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) die Corona-Ansteckungsrate wieder auf 0,9. Die sogenannte Reproduktionszahl ist demnach mit Datenstand 28. April 2020, 0.00 Uhr wieder gesunken, nachdem sie zuvor laut einem am Montagabend veröffentlichten Bericht auf 1 gestiegen war.

Vom Wert 1 hatte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstagvormittag auch in einer Pressekonferenz berichtet. Er betonte dabei, die Reproduktionszahl dürfe bei der Bewertung des Epidemieverlaufs nicht isoliert betrachtet werden. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen im Schnitt von einem Infizierten angesteckt werden. In die Berechnung fließen laut RKI alle gemeldeten Fälle mit Erkrankungsbeginn bis drei Tage vor Datenstand an.

RKI: "Aktuelle R-Wert könnte das reale Geschehen etwas überschätzen"

"Fälle mit neuerem Erkrankungsbeginn wurden nicht berücksichtigt, da sie noch nicht in ausreichender Zahl übermittelt wurden und zu instabilen Schätzungen führen würden", heißt es. In die Schätzung fließen bestimmte Annahmen ein: zum Beispiel, dass zwischen der Ansteckung und dem Einsetzen erster Symptome im Mittel 5 Tage vergehen. Laut RKI sind manche Annahmen veränderlich.

In einem Bericht zur Methodik gibt das RKI zudem zu bedenken, dass auch die deutliche Erhöhung der Testkapazitäten – und dadurch vermehrt sichtbare Infektionen – dazu führen könnten, "dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätzt".

Warnung vor Wiederanstieg des R-Werts

Anfang März lag die wichtige Kennziffer noch bei drei, am 8. April bei 1,3, in den vergangenen Tagen bei 0,9 – jeweils mit einer gewissen Schwankungsbreite. Die Kennzahl gibt an, wie viele Menschen eine erkrankte Person im Durchschnitt infiziert. (Lesen Sie dazu: Wie Sie die Zahlen richtig deuten – und warum das so schwer ist)

Experten hatten vor einem Wiederanstieg des Werts über 1 gewarnt. Auch das RKI schreibt: "Gelingt das dauerhafte Niedrighalten der Reproduktionszahl unter 1 nicht, so setzt sich der anfängliche exponentielle Anstieg wieder fort."

"Regeln weiter einhalten"

Das RKI hat immer wieder betont, um die Epidemie abflauen zu lassen, müsse diese Reproduktionszahl unter 1 liegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Zuge der Ankündigung erster Lockerungen bei Corona-Maßnahmen deutlich gemacht, dass schon vermeintlich kleine Änderungen der Reproduktionszahl erhebliche Folgen haben können.

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Mit einem eindringlichen Appell hat sich der RKI-Präsident an die Bevölkerung gewandt. Es gelte, sich weiter an die gültigen Regeln zu halten, betonte Lothar Wieler. "Wir wollen nicht, dass die Fallzahlen wieder zunehmen. Wir wollen nicht, dass wir wieder mehr Covid-19-Fälle haben."

Es gelte, weiter so weit wie möglich zuhause zu bleiben, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten, mindestens eineinhalb Meter Abstand zu halten und wo das schwer möglich sei, einen Nase-Mund-Schutz zu tragen. Deutschland habe die Ausbreitung anders als andere Länder bisher sehr erfolgreich in Schach halten können. "Wir wollen diesen Erfolg verteidigen."

Mindestens 5845 Tote

In den Krankenhäusern gebe es weiterhin ausreichend Intensivbetten und Beatmungsplätze, so Wieler auch. Nach derzeitiger Situation seien auch keine Engpässe zu prognostizieren.

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In Deutschland sind bis zum Vormittag Dienstagvormittag mehr als 156.200 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden (Vortag Stand 10.15 Uhr: mehr als 155.500 Infektionen). Mindestens 5845 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben (Vortag Stand 10.15 Uhr: 5738). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt.

Nach RKI-Schätzungen haben in Deutschland rund 117.400 Menschen die Infektion überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

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