US-amerikanische Langszeitstudie : Optimisten leben länger – Diverse Lebensvorteile erstmals deutlich belegt

Wer das Leben positiv gestimmt angeht, verlängert oft seine Lebenszeit, besagt eine Studie.
Wer das Leben positiv gestimmt angeht, verlängert oft seine Lebenszeit, besagt eine Studie.

Wer optimistisch in sein Leben blickt, wird meist richtig alt. Das haben Forscher nun deutlich nachgewiesen.

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26. August 2019, 21:00 Uhr

Boston | Optimisten haben größere Chancen auf ein hohes Alter als Pessimisten. Das zeigten US-Forscher in einer Studie, nach der Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung besonders gute Aussichten haben, 85 Jahre oder älter zu werden. Dabei spielen wahrscheinlich zahlreiche Faktoren eine Rolle. Die Wissenschaftler empfehlen Trainings, die den Optimismus fördern.

Wer lebt länger, Optimisten oder Pessimisten? Die Studienlage zu dieser Frage war bisher widersprüchlich. So wurde Pessimisten zu Gute gehalten, dass sie sich mehr um ihre Gesundheit sorgen, Optimisten hingegen zeigten sich weniger anfällig für bestimmte Krankheiten, wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie zeigt nun: richtig alt werden eher Optimisten. Die Ergebnisse erschienen in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Optimistische Frauen leben im Schnitt 15 Prozent länger

Das Team um Lewina Lee von der Boston University School of Medicine nutzte zwei Datenbanken, in denen seit Jahrzehnten die Krankengeschichte bestimmter Berufsgruppen gespeichert werden. So bekamen die Forscher Informationen über den Gesundheitszustand und die Lebensführung von fast 70.000 Krankenschwestern und 1429 Veteranen. Bei allen war zudem mit Hilfe von Fragebögen und Tests ermittelt worden, ob sie eher optimistisch oder pessimistisch sind. Die Forscher hatten die Frauen in vier Gruppen – von sehr optimistisch bis sehr pessimistisch eingeteilt. Bei den Männern waren es fünf Gruppen.


Ergebnis: Die Frauen in der besonders optimistischen Gruppe lebten im Schnitt um 15 Prozent länger als die in der pessimistischsten Gruppe. Dabei analysierten die Forscher Frauen, die ähnliche demografische Merkmale und Vorerkrankungen hatten. Bei optimistischen Männern betrug der Unterschied in der Lebenszeit elf Prozent.

Größte Effekte bei gesunder Lebensweise und positiver Einstellung

Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei der Gruppe der stärksten Optimistinnen um 50 Prozent größer als bei den stärksten Pessimistinnen. Bei den Männern betrug der Unterschied in der Studie 70 Prozent. Die Wissenschaftler wollten zudem herausbekommen, ob die höhere Lebenserwartung daran liegen könnte, dass Optimisten grundsätzlich gesünder leben, also zum Beispiel regelmäßiger zum Arzt gehen, weniger rauchen oder trinken und mehr Sport treiben. Rechneten die Wissenschaftler solche Unterschiede in der Lebensführung mit ein, schwächte sich das Ergebnis ab, aber weiterhin waren die Optimisten klar im Vorteil. Sie lebten auch bei ähnlicher Lebensführung länger.

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Die Forscher vermuten daher, dass Optimisten noch weitere Lebensvorteile haben: "Andere Studien legen nahe, dass optimistische Menschen ihre Emotionen und ihr Verhalten besser regulieren können. Und sie erholen sich besser von Stresssituationen und Schwierigkeiten", so Co-Autorin Laura Kubzansky in einer Pressemitteilung der Boston University School of Medicine. Auch seien Optimisten unter Umständen besser sozial integriert, was sich ebenfalls auf die Lebenserwartung auswirken könnte.

Optimismus ist angeboren, aber auch erlernbar

Optimismus sei zwar zum Teil genetisch bedingt, aber auch erlernbar, so die Forscher: "Diese Studie hat eine große Relevanz für die öffentliche Gesundheit, weil sie nahelegt, dass Optimismus einer der psychologischen Faktoren ist, die ein Menschenleben verlängern können. Interessanterweise lässt sich der Grad an Optimismus beeinflussen. Dafür gibt es recht einfache Methoden und Therapien", so Erstautorin Lewina Lee in der Mitteilung.

Wie Sie Optimismus lernen können und warum positives Denken nicht ausreicht

Sind Wunsch und Wille echt und das Ziel klar, kann man sich durch Vorausprogrammierung und Visualisierung auf Erfolg polen, sagt Hans Christian Altmann, Verkaufstrainer in München: Man stellt sich vor, wie man Schwierigkeiten überwindet, kopiert das Verhalten und die positiven Einstellungen erfolgreicher Vorbilder. "Die Qualität der Selbstgespräche ist entscheidend für den Erfolg", so Autor Altmann.

"Verlierer sprechen permanent abwertend mit sich. Gewinner sehen in jedem Misserfolg eine neue Herausforderung." Die meisten Selbstgespräche laufen stumm und unbewusst ab. Das macht sie so einflussreich. Wer schon als Kleinkind verinnerlicht hat, du schaffst das nie, muss seine positiven Seiten, Stärken und Fähigkeiten erst wieder kennen lernen und ins Bewusstsein bringen.

Positives Denken bedeute aber auch, sich selbst positiv zu sehen und daran zu glauben, dass sich Herausforderungen bewältigen lassen, sagt Prof. Astrid Schütz von der Universität Bamberg: "Optimisten gehen Probleme aktiver an und erhöhen dadurch die Chance, sie zu lösen."

Empfehlungen nach dem Motto "Denke positiv!", wie sie von vielen Motivationstrainern und Ratgeberautoren verbreitet werden, seien jedoch in der Regel allzu schlicht. "Glück, Liebe und Erfolg im Beruf hätten wir alle gerne. Und eine einfache Lösung für den Weg dahin wäre natürlich das Allerschönste", sagt Schütz. Zu glauben, allein positives Denken sei ausreichend, und schon klappt es, wäre aber naiv.

Im Berufsleben allerdings sei positives Denken in vielen Zusammenhängen unverzichtbar. Das gilt beispielsweise für das Erreichen von Karrierezielen. Überzeugt von den eigenen Fähigkeiten zu sein, lässt sich durchaus lernen. "Es gibt Trainingsprogramme, mit denen man das üben kann", sagte Schütz.

Andererseits ist es unter Umständen gar nicht vernünftig, am eigenen Verhalten etwas ändern zu wollen: "Es gibt eben individuelle Stile, und es wäre sogar schlecht, das umzutrainieren." Zudem steigt bei Optimisten das Risiko für ein Burnout: "Wer optimistisch ist, sein Ziel erreichen zu können, macht immer weiter, auch wenn er sich zu verausgaben droht", erklärt Schütz dieses Phänomen.

 

Theoretisch sei zwar auch die umgekehrte Begründung denkbar, dass sehr kranke Menschen eher pessimistisch seien und sie eben auch früher sterben, schreiben die Forscher in der Studie. Doch sie hatten diejenigen Menschen herausgelassen, die bald nach Studienbeginn gestorben waren. Auch wenn sie Menschen wegließen, die zu Beginn der Studie chronische Krankheiten hatten, blieben die Ergebnisse bestehen.

Wer ist ein Optimist?

Die Forscher definierten einen Optimisten als einen Menschen, der daran glaubt, dass gute Dinge passieren werden oder dass die Zukunft erstrebenswert ist, weil bestimmte Ziele durchgesetzt werden können. Diese Selbstwirksamkeit ist laut Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen ein wichtiger Aspekt: "Optimisten haben das Gefühl, dass sie die Dinge unter Kontrolle haben. Und dieses Gefühl kann man auch erlernen. Man kann sich erreichbare Ziele setzen. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Das ist ein Weg zum Optimismus."

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