Wissenschaftliche Sensation : Forscher beobachten erstmals Schimpansen beim Schildkröten-Verzehr

Schimpansen sind neben Bonobos die nächsten lebenden Verwandten der Menschen.
Schimpansen sind neben Bonobos die nächsten lebenden Verwandten der Menschen.

Die Tiere schlagen die Schildkröten gegen Baumstämme, um so ihre Panzer aufzubrechen. Erstmals wurde das nun beobachtet.

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23. Mai 2019, 17:27 Uhr

Osnabrück/Leipzig | Ein internationales Forscherteam der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat im Loango Nationalpark in Gabun erstmalig freilebende Schimpansen beim Verzehr von Schildkröten beobachtet.

Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass der Speiseplan von Schimpansen viele verschiedene Tierarten beinhalte, beim Verzehr von Reptilien habe sie jedoch noch kein Forscherteam beobachtet, sagte Simone Pika von der Uni Osnabrück am Donnerstag. Es sei faszinierend, dass auch nach 50 Jahren Schimpansen-Forschung noch immer ganz neue Verhaltensweisen entdeckt würden, sobald eine neue Gruppe ins Visier genommen werde.

Die Schimpansen dieser sogenannten Rekambo-Gruppe schlugen die Schildkröten gegen Baumstämme, um so ihre Panzer aufzubrechen und sich dann von ihrem Fleisch zu ernähren, berichtete Kognitionswissenschaftlerin Pika. Sie nutzten dabei eine Schlagtechnik, die sie normalerweise zum Öffnen äußerst hartschaliger Früchte verwendeten.

Männchen helfen beim Panzerknacken

Zehn verschiedene Schimpansen, vorwiegend erwachsene Männchen, hätten insgesamt 38 Schildkröten erbeutet, sagte Tobias Deschner, Primatologe am Max-Planck-Institut. Manchmal hätten jüngere Tiere oder Weibchen die Schildkröte nicht selber aufbrechen können. "Sie gaben sie dann für gewöhnlich an ein stärkeres Männchen weiter, welches den Schildkrötenpanzer aufschlug und das Fleisch mit allen anderen anwesenden Schimpansen teilte."

Unsere Ergebnisse deuten also darauf hin, dass wir auch nach jahrzehntelanger Forschung noch nicht die volle Komplexität der Intelligenz und Verhaltensflexibilität von Schimpansen erfasst haben. Simone Pika, Uni Osnabrück

Ein erwachsenes Männchen habe die Reste einer Schildkröten-Mahlzeit sogar in einer Astgabel versteckt, um sie am nächsten Tag zu verspeisen, berichtete Pika. Viele Wissenschaftler glaubten bislang, dass zukunftsorientiertes Denken eine Fähigkeit ist, über die nur der Mensch verfüge. "Unsere Ergebnisse deuten also darauf hin, dass wir auch nach jahrzehntelanger Forschung noch nicht die volle Komplexität der Intelligenz und Verhaltensflexibilität von Schimpansen erfasst haben".

Beobachtungen des natürlichen Verhaltens von Schimpansen dienten auch der Erforschung der Evolution des Menschen, betonte die Professorin. Sie seien neben Bonobos die nächsten lebenden Verwandten der Menschen. Deshalb müsse alles dafür getan werden, um das Überleben dieser Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen in ganz Afrika zu sichern.

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