Neue Studie zur Schmelze : Gletscher weltweit verlieren 335.000.000.000 Tonnen Eis pro Jahr

Der Platz für Wintersport in den Alpen wird knapper: Hitzewellen lassen Gletscher, wie hier den Theodulgletscher in Zermatt, rasant abschmelzen.
Der Platz für Wintersport in den Alpen wird knapper: Hitzewellen lassen Gletscher, wie hier den Theodulgletscher in Zermatt, rasant abschmelzen.

Schweizer Forscher analysierten den Eisverlust ab den Sechzigern und stellten fest: Das Eis schmilzt immer schneller.

von
08. April 2019, 18:05 Uhr

Zürich | Schmelzende Gletscher haben den Meeresspiegel zuletzt um im Schnitt fast einen Millimeter im Jahr steigen lassen. Nach neuen Schätzungen verlieren sie dabei jährlich 335 Milliarden Tonnen Eis. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Zürich, die Satellitenmessungen und Beobachtungen vor Ort ausgewertet haben.

Damit könne der Eisverlust für alle Gebirgsregionen bis zurück in die 1960er-Jahre geschätzt werden, schreibt das Team um Michael Zemp von der Universität Zürich in der Fachzeitschrift "Nature". Die Daten belegten, dass der jährliche Verlust der Gletschermasse weltweit in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen habe.

Weltweit verlieren wir derzeit rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der Europäischen Alpen. Und das jedes Jahr. Glaziologe Michael Zemp

Die Gletscher tragen nach seinen Angaben aktuell 25 bis 30 Prozent zum Anstieg des globalen Meeresspiegels bei. Eine andere Ursache ist, dass das Meerwasser durch die Erwärmung der Ozeane an Volumen gewinnt.

Meeresspiegel in 50 Jahren um 27 Millimeter gestiegen

Die Satelliten vermessen die Erdoberfläche digital und liefern Informationen über die Eisdicke zu verschiedenen Zeitpunkten. Damit sei es möglich gewesen, die Veränderungen an weltweit mehr als 19.000 Gletschern zu rekonstruieren, schreiben die Autoren. Die Gletscher hätten zwischen 1961 und 2016 mehr als 9000 Milliarden Tonnen Eis verloren. Das entspreche einem mittleren globalen Anstieg des Meeresspiegels von 27 Millimetern. Allein in den Jahren 2006 bis 2016 waren es im Schnitt fast ein Millimeter im Jahr.

In diesem älteren Video stellt die Zürcher Universität den Forschungsbereich Gletscher-Monitoring vor:

Dazu trugen am meisten die Gletscher in Alaska bei, gefolgt von denen in Patagonien im Süden Chiles und Argentiniens und in den arktischen Gletscherregionen um den Nordpol. Auch in den Alpen, im Kaukasus oder in Neuseeland hätten die Gletscher viel Eis verloren. Da diese Gletscherflächen aber relativ klein seien, trage das weniger zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

Interaktives Quiz: Wie viel wissen Sie über den Klimawandel?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen