Klimaschutz-Appelle zum Earth Day : EU-Behörde: 2019 war heißestes Jahr in der Geschichte Europas

Durch die hohe Trockenheit ist Europa in den vergangenen Jahren von der ISS aus oft nur als braune Fläche zu sehen.
Durch die hohe Trockenheit ist Europa in den vergangenen Jahren von der ISS aus oft nur als braune Fläche zu sehen.

Messwerte aus dem All belegen eine erhöhte Durchschnittstemperatur. Weltweit gesehen, war nur ein Jahr noch heißer.

von
22. April 2020, 19:40 Uhr

Brüssel | 2019 war das heißeste Jahr in der Geschichte Europas. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des von der EU betriebenen Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels hervor. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag demnach 1,24 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010.

In Folge einer Reihe extremer Hitzewellen wurden den Angaben zufolge insbesondere im Juni und Juli Hitzerekorde unter anderem in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gebrochen. Weite Teile Südeuropas litten demnach unter Dürren und die Temperatur in der Arktis lag fast ein Grad über dem üblichen Jahresdurchschnitt.

Daten: DWD via Umweltbundesamt.
Grafik: Anna Behrend
Daten: DWD via Umweltbundesamt.


Insgesamt lagen die Temperaturen in Europa in den vergangenen fünf Jahren zwei Grad über der durchschnittlichen Temperatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie aus den Daten des Copernicus-Dienstes hervorgeht. Elf der zwölf wärmsten Jahre in Europa fallen in die Periode zwischen 2000 und 2019.

Nur im "El-Niño-Jahr" war es noch heißer

Weltweit betrachtet war 2019 das zweitheißeste Jahr nach 2016. Damals hatte das Wetterphänomen El Niño die weltweiten Temperaturen auf absolute Rekordhöhe getrieben. "Ein ungewöhnlich warmes Jahr stellt noch keinen Erwärmungstrend dar", erklärte der Leiter des Copernicus-Dienstes, Carlo Buontempo. Um detaillierte Informationen über den Klimawandel zu erhalten, müsse die langfristige Entwicklung betrachtet werden.


Zahlreiche Staaten haben im Pariser Klimaabkommen vereinbart, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Selbst wenn sie all ihre Klimaschutzzusagen einhalten, sind sie davon allerdings weit entfernt.

Mehr zum Thema

Für 2020 wird wegen der im Zuge der Corona-Pandemie schwächelnden Wirtschaft mit einem Rückgang des Kohlendioxidausstoßes gerechnet. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die Emissionen wieder zunehmen werden, sobald ein Impfstoff gefunden wurde und die Wirtschaftsaktivitäten wieder voll anlaufen.

Nach der Corona-Krise könnte sich die Klimakrise verschärfen, falls "Hilfsprogramme für die fossile Brennstoffindustrie und fossilienintensive Sektoren nicht von einem Übergang zu sauberen Technologien abhängig gemacht werden", sagte Cameron Hepburn, Leiter der Smith School of Enterprise and the Environment an der Oxford-Universität.

UNO fordert Doppelstrategie gegen Virus und für Klimaschutz

Umweltverbände und Experten riefen dazu auf, Wiederaufbauprogramme nach der Corona-Krise für eine nachhaltigere und zukunftsfähigere Ausrichtung der Wirtschaft zu nutzen. "Wir müssen die Corona-Pandemie gleichzeitig mit dem Klima- und Umweltnotstand angehen", sagte Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg am Mittwoch in Stockholm per Videokonferenz anlässlich des internationalen Umweltgedenktages "Earth Day". Ähnlich äußerten sich Vertreter von Greenpeace und weiteren Organisationen sowie führende Klimawissenschaftler.

Auch die UNO rief die internationale Staatengemeinschaft auf, den Klimawandel mit der gleichen Entschlossenheit wie die Corona-Pandemie zu bekämpfen. "Wir müssen sowohl die Kurve der Pandemie als auch des Klimawandels abflachen", sagte Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Mittwoch. Wenn die Welt es jetzt versäume, den Klimawandel zu bekämpfen, könne dies das Wohlergehen der Menschen, die Ökosysteme und die Wirtschaft "für Jahrhunderte" gefährden. Die Staaten dürften nicht nur kurzfristig handeln, sondern mit Blick auf "viele kommende Generationen".

Weiterlesen: Zehn Euro pro Tonne CO2: Wo steht Deutschland damit im Ländervergleich?

Die Corona-Krise "könnte zu einer vorübergehenden Reduzierung der Treibhausgasemissionen führen", dies sei aber kein Ersatz "für nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen", erklärte die WMO. Alle Hilfsprogramme für die Wirtschaft nach der Corona-Krise müssten deshalb auf Nachhaltigkeit ausgelegt werden. Nach früheren Wirtschaftkrisen sei es häufig zu einem starken Anstieg der Emissionen gekommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen