Coronavirus : Verdachtsfall in Bremen – Zahl der Virus-Infizierten in China steigt drastisch

Fieber messen vor dem Betreten eines Zuges: In China wurden die Maßnahmen, um ein Ausbreiten des Coronavirus zu verhindern, verschärft.
Fieber messen vor dem Betreten eines Zuges: In China wurden die Maßnahmen, um ein Ausbreiten des Coronavirus zu verhindern, verschärft.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Auch in Deutschland gab es am Montag zwei Verdachtsfälle.

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27. Januar 2020, 07:25 Uhr

Die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit in China ist bis Montag um 24 auf 80 gestiegen. Innerhalb eines Tages kletterte die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coronavirus in der Volksrepublik sogar um mehr als 700 auf 2744, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf die chinesischen Behörden berichtete. Mit den rund 50 Fällen außerhalb Chinas sind damit bislang fast 2800 Fälle weltweit bestätigt.

Virusverdacht in Iserlohn und Bremen

Auch an einer Schule im nordrhein-westfälischen Iserlohn gab es am Montagmorgen einen Verdachtsfall, der sich allerdings als Fehlalarm herausgestellt hat. Ein privates Aufbaugymnasium war vorübergehend abgeriegelt worden, nachdem ein aus China zurückgekehrter Schüler über typische Krankheitssymptome geklagt hatte, wie ein Polizeisprecher auf dpa-Anfrage sagte. Laut Feuerwehr kann sich der Junge aber nicht mit dem Coronavirus angesteckt haben, da er bereits vor drei Wochen aus der Volksrepublik heimgekehrt sei, schilderte ein Feuerwehr-Sprecher am Einsatzort. Zum Zeitpunkt seines Besuchs grassierte das Virus in China noch nicht. Die Feuerwehr gab nach einem kurzen Einsatz am Vormittag Entwarnung.

In Bremen wird eine möglicherweise infizierte Frau im Krankenhaus Mitte behandelt, berichtet der "Weser-Kurier" am Montag mit Verweis auf das Gesundheitsamt. Die Patientin sei Anfang Januar aus China zurückgekehrt, damit sei die Inkubationszeit für den Ausbruch der Lungenkrankheit bereits vorbei. Den Angaben nach prüft die Berliner Charité derzeit ihre Laborwerte. Solange werde die Frau vorerst isoliert auf der Intensivstation behandelt.

Spahn: Deutschland auf Coronavirus gut vorbereitet

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland für den Fall eines Auftretens des neuen Coronavirus hierzulande gut gewappnet. "Grundsätzlich sind wir wachsam, wir nehmen die Dinge sehr ernst, wir sind aber auch gut vorbereitet", sagte Spahn am Montag in Berlin. Pandemie- und Umgangspläne sorgten für Klarheit, was im Fall der Fälle an den Flughäfen und an den Kliniken zu tun sei.

Passagiere aus China würden durch mehrsprachige Flyer informiert, erläuterte Spahn. Dabei gehe es vor allem darum, dass sich Passagiere mit Symptomen aus den entsprechenden Regionen "sehr zügig" zu erkennen geben und einen Arzt aufsuchen, so dass schnell Diagnostik und Therapie starten könne. "In einem nächsten Schritt würden die Kontaktpersonen identifiziert, die die betreffende Person in Deutschland, in Europa gehabt hat", so Spahn weiter. "Diese Kontaktpersonen würden informiert, aufgesucht und beraten und gegebenenfalls behandelt werden."

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums ergänzte, sie könne nicht ausschließen, dass es auch Kontrollen in Form von Screenings an den Flughäfen geben werde. Derzeit rate die Weltgesundheitsorganisation von Screenings aber ab.


Krankheitsverlauf milder als bei Grippe

Zur "Einordnung" betonte Spahn, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe. "An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutschland bis zu 20.000 Menschen im Jahr." Auf die Frage, ob in Deutschland wie in China auch die Abschottung ganzer Städte möglich sei, führte Spahn das Beispiel von Masern an, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. "Und wir bekommen auch einen Masern-Ausbruch in Deutschland mit deutlich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen."

Das Robert Koch-Institut für Infektionskrankheiten und andere nationale Behörden seine in ständigem Austausch, mit den Behörden der Bundesländer, national und international. "Jeder hat seine genau zugewiesene Aufgabe", sagte Spahn. "Im Fall der Fälle weiß jeder, wer verantwortlich ist und was er zu tun hat." Auch aus der Sars-Epidemie 2002/2003 habe man dazugelernt.

Drei Fälle in Frankreich

Die Zahl der Infizierten in China kann weiter stark steigen, da es rund 5800 Verdachtsfälle gibt, bei denen die Diagnose noch nicht abgeschlossen ist. In Hongkong, Taiwan und Macao gibt es 17 bestätigte Erkrankungen – in anderen Ländern Dutzende mehr. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete, war die große Mehrheit der außerhalb Chinas Erkrankten zuvor in der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina gewesen, dem Ausgangsort der Epidemie. In den USA wurden zwei neue Fälle in Kalifornien und Arizona bestätigt, wie die US-Gesundheitsbehörde berichtete. Damit steigt die Zahl in den USA auf fünf. Bei einem der neuen Fälle bestätigte das Gesundheitsamt in Orange County bei Los Angeles, dass die Person zuvor von einer Reise nach Wuhan zurückgekehrt war.


Außerdem gibt es drei Fälle in Frankreich, dem bisher einzigen Land in Europa mit bestätigten Erkrankungen, sowie in Thailand, Japan, Südkorea, Vietnam, Singapur, Malaysia, Nepal und Australien. Kanada zählte einen ersten "vorläufig bestätigten" Fall.

Weiterlesen: Ärzte erzielen erste Behandlungserfolge bei Patienten

Von den Patienten in China seien 461 schwer erkrankt, berichtete das Staatsfernsehen. Allein in der Elf-Millionen-Metropole Wuhan und der umliegenden Provinz Hubei wurde der Zustand von weiteren 69 Erkrankten als kritisch beschrieben. Das neue Virus stammt nach ersten Untersuchungen vermutlich von einem Markt in Wuhan, wo es möglicherweise von Wildtieren auf den Menschen übergesprungen ist.

China verschärft Maßnahmen

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Lungenkrankheit hat China drastische Maßnahmen ergriffen. In der Provinz Hubei wurden mehr als 45 Millionen Menschen in mindestens 14 Städten weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Flüge und Zugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr wurden gestoppt. Selbst Metropolen wie Peking und Shanghai und mehrere Provinzen haben die Überlandverbindungen mit Bussen ausgesetzt, damit das Virus nicht eingeschleppt wird.


Der Erreger ist inzwischen in fast jeder Provinz oder Region des Landes aufgetaucht. Als weitere Maßnahme gegen die Ausbreitung kündigte die Regierung in Peking an, dass die allgemein geltenden Ferien für die Beschäftigten im Land über das laufende Neujahrsfest um drei Tage bis einschließlich Sonntag verlängert werden.

In der chinesischen Hauptstadt bleiben Schulen, Kindergärten und Universitäten sogar über das bislang geplante Ende der Ferien Mitte Februar hinaus geschlossen. Über die Feiertage des chinesischen Neujahrsfest, das nach dem traditionellen Mondkalender in der Nacht zum Samstag begangen worden war, sind mehrere hundert Millionen Menschen in ihre Heimatdörfer gereist.

Viele Fabriken sind über das Neujahrsfest wochenlang geschlossen, um den Mitarbeitern die Heimreise zum wichtigsten chinesischen Familienfest zu ermöglichen. Es wird jetzt aber befürchtet, dass sich das Virus bei der erwarteten Rückreisewelle vielleicht noch weiter ausbreiten kann. Forscher fanden heraus, dass Infizierte schon während der meist zehntägigen Inkubationszeit ansteckend sind, ohne dass sie Symptome zeigen.

Bundesregierung denkt über Rückholaktion nach

Die Bundesregierung erwägt, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin. Demnach geht das Auswärtige Amt von einer zweistelligen Zahl von Deutschen in der besonders betroffenen Region aus. Der Krisenstab sei am Montagvormittag zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Andere Länder wie Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

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