Nach Gen-Babys-Eklat : "Chinas Frankenstein" He Jiankui offenbar verschwunden

He Jiankui wurde angeblich das letzte Mal beim Genomforscher-Kongress vorigen Mittwoch gesehen.
He Jiankui wurde angeblich das letzte Mal beim Genomforscher-Kongress vorigen Mittwoch gesehen.

Der wegen Genmanipulation an Embryonen umstrittene Forscher wurde angeblich seit Tagen nicht mehr gesehen.

svz.de von
05. Dezember 2018, 19:10 Uhr

Peking | Der Forscher He Jiankui hatte Ende November international für Entrüstung gesorgt. Nun gilt er als vermisst, es gibt Gerüchte über eine Festsetzung.

Was war passiert? Nach eigenen Angaben hat der Chinese He Jiankui das Genom zweier Embryonen so manipuliert, das sie HIV-resistent sind. Zwei gesunde Babys seien daraus entstanden: Lulu und Nana sind erst einige Tage alt. Wissenschaftler auf der ganzen Welt reagierten empört über den "Tabubruch". Die Universität in Shenzhen distanzierte sich von dem Projekt und dem Forschungsteam. Die chinesische Presse taufte He Jiankui "Chinas Frankenstein."

Auch die chinesische Regierung schaltete sich ein. Peking will nichts von den mutmaßlichen Menschenversuchen gewusst haben, verbot den Forschern jedoch die weitere Arbeit. Nun rätselt das Land darüber, wo He Jiankui ist. Das letzte Mal sei er vergangene Woche bei einer Präsentation seines Projekts in Hongkong gesehen worden, berichtet die "South China Morning Post". Seitdem sei nicht klar, wo er sich aufhalte.

Angeblich Polizeieinsatz an Universität

Ein Zeitungsbericht der chinesischen "Apple Daily" behauptet, der Forscher stehe unter Hausarrest auf dem Campus. Demnach habe der Forscher am vergangenen Mittwoch mehrere Stunden lang mit dem Universitätsdirektor den Fall besprochen. Danach soll er dort festgesetzt worden sein. Ein "Apple"-Reporter berichtet, dass ein Polizeiauto vorgefahren war und mehrere Wachleute den Campus absperrten. Die Universität bestreitet den Vorwurf der Festsetzung gegenüber den Medien, die Sprecherin wollte sich zu dem Fall aber nicht weiter äußern.

He Jiankui galt als aufgehender Stern in der Genom-Forschungsszene. Nach Angaben der "South China Morning Post" soll er für seine Arbeit seit 2015 umgerechnet rund fünf Millionen Euro öffentliche Gelder bekommen haben. Auch gegen seinen amerikanischen Doktorvater, Michael Deem von der Rice University in Texas, werde derzeit ermittelt. Er soll in die umstrittene Gen-Baby-Arbeit involviert gewesen sein.

Weiterlesen: Forscher: "In Deutschland würde man dafür direkt ins Gefängnis wandern"

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