Befragung der EU : Soll die Sommerzeit abgeschafft werden? Pro und Contra zur Zeitumstellung

Wann gewinnt und wann verliert man eine Stunde? Neben der allgemeinen Verwirrung führt die Zeitumstellung auch bei vielen Menschen zu Schlafstörungen.
Wann gewinnt und wann verliert man eine Stunde? Neben der allgemeinen Verwirrung führt die Zeitumstellung auch bei vielen Menschen zu Schlafstörungen.

Die EU lässt über die Zeitumstellung abstimmen. Welche Vor- und Nachteile hat der Wechsel zwischen den Zeiten?

svz.de von
06. Juli 2018, 12:21 Uhr

Hamburg | In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse DAK sprachen sich erst im März 73 Prozent der Befragten gegen das Umstellen der Uhren aus. Sie könnten sich jetzt tatsächlich durchsetzen: Seit gestern können EU-Bürger über die Zeitumstellung abstimmen. Bis zum 16. August ist ein Online-Fragebogen freigeschaltet, teilte die EU-Kommission mit. Die Bürger könnten darin auch angeben, ob sie im Fall einer Abschaffung Winter- oder Sommerzeit bevorzugten.

Ein Thema, das viele Menschen bewegt. Im Netz gibt es diverse Petitionen, die sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung einsetzen. Der Ansturm auf den Online-Fragebogen aus Brüssel ist anscheinend so groß, dass seit gestern regelmäßig der Server zusammenbricht und die Seite nicht erreichbar ist.

Die Zeitumstellung hat nur wenige Fans. Doch es gibt auch Vorteile, wenn zweimal im Jahr die Uhren verstellt werden:

Vorteile der Zeitumstellung

Die Idee der Sommerzeit entstand bereits vor mehr als 100 Jahren und wurde seitdem mehrfach beschlossen und wieder verworfen: 1916 wurde sie in Deutschland zum ersten Mal eingeführt. Damals wie heute sollte die zusätzliche Stunde Licht am Abend dafür sorgen, dass das Tageslicht besser genutzt und so Energie gespart wird. Während dabei heute der Gedanke des Umweltschutzes im Vordergrund steht, sollte die Sommerzeit während der Weltkriege der Unterstützung der Kriegswirtschaft dienen.

Inzwischen gilt sie seit 1980. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man damals die Hoffnung, so Energie sparen zu können. Ein weiterer Grund war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf und gilt somit sogar länger als die Normalzeit (oft Winterzeit genannt).

Befürworter der Sommerzeit schätzen die zusätzliche Stunde Licht am Abend, die es gerade Berufstätigen ermöglicht, nach der Arbeit noch etwas im Freien zu unternehmen. Einer amerikanischen Studie zufolge, genießen Erwachsene durch die Sommerzeit im Schnitt eine halbe Stunde länger draußen ihre Freizeit – und hängen neun Minuten weniger vor dem Fernseher.

Nachteile der Zeitumstellung

Eines der wichtigsten Argumente der Sommerzeit-Gegner ist, dass der gedachte Vorteil sich nicht eingestellt hat – es wird keine Energie gespart. Zumindest nicht so viel, dass die Ersparnis die anderen Nachteile wieder ausgleicht. Laut Umweltbundesamt knipsen wir an Sommerabenden zwar tatsächlich seltener das Licht an. Dafür wird aber im Frühling und Herbst morgens öfter die Heizung aufgedreht, da die Temperatur zum Beispiel um 7.00 Uhr so niedrig ist wie vorher um 6.00 Uhr. Der Forschungsausschuss im Bundestag gab in einem Bericht von 2016 an, dass Deutschland durch die Sommerzeit im Jahr geschätzt gerade einmal 0,2 Prozent Strom spart.

Auch Mediziner kritisieren die Uhrumstellung. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben – samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. In einer DAK-Umfrage vom März 2018 gaben 27 Prozent der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben. Als Beschwerden wurden vor allem Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und Konzentrationsprobleme genannt.

Besonders Eltern haben mit der Zeitumstellung zu kämpfen, weil viele Kinder sich nur schwer an die neue Zeit gewöhnen und entweder zu früh oder zu spät aus dem Bett kommen. Da stehen am letzten Sonntag im Oktober, wenn die Uhren eine Stunde zurück auf Normalzeit gestellt werden, deutschlandweit Väter mit ihren Kindern vor der geschlossenen Bäckerei, weil es eigentlich erst halb sieben und nicht halb acht ist.

Auch viele Bauern sind Sommerzeit-Gegner: Weil Milchkühe eine genaue innere Uhr haben und jeden Tag zur selben Zeit gemolken werden müssen, passen viele Landwirte die Melkzeiten nach und nach an, um so die Kühe langsam an die neue Zeit zu gewöhnen. Wildtieren ist die Sommerzeit zwar egal, doch durch mehr Berufspendler in der Morgendämmerung steigt laut Bundesjagdverband das Unfallrisiko für Mensch und Tier.

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen