Weltweiter Produktrückruf : Keime in Pizzasalami: Wurstbetrieb nach Todesfällen geschlossen

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss ein Fleischhersteller in Nordhessen die Produktion stoppen.
Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss ein Fleischhersteller in Nordhessen die Produktion stoppen.

Ursache der Todesfälle waren offenbar Listerien, die im Fleisch von Wilke Wurstwaren festgestellt worden seien.

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02. Oktober 2019, 14:07 Uhr

Twistetal-Berndorf | Die Behörden haben nach zwei Todesfällen durch Keime in Fleischwaren die Produktion eines Wurstherstellers in Nordhessen vorläufig geschlossen. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg habe gegen das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren entsprechende Schritte eingeleitet, teilte der Kreis am Mittwoch mit. Monatelang seien in Wurstprodukten der Firma Listerien nachgewiesen worden.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe einen unmittelbaren Zusammenhang zu zwei Todesfällen, zwei ältere Menschen aus Hessen, ergeben. Zuvor hatte die Hessische-Niedersächsische Allgemeine (HNA) über den Fall berichtet. Das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht, kündigte aber eine Stellungnahme an.

Weltweite Rückrufaktion

Laut Landkreis gibt es 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stehen. Der Landkreis kündigte eine weltweite Rückrufaktion für alle Produkte der Firma mit Ausnahme von Vollkonserven an.

Was sind Listerien?

Die Bakterien finden sich beinahe überall – auf Gräsern aber auch in abgepackten Nahrungsmitteln. Zumeist sind sie für den Menschen ungefährlich, können aber die meldepflichtige Krankheit Listeriose auslösen. Diese wird meist über nicht sachgerecht verarbeitete Lebensmittel übertragen. Listerien finden sich dabei meist auf nicht erhitzten tierischen Lebensmitteln, zum Beispiel bei Käse aus Rohmilch oder geräucherter Wurst. Aber auch auf Gemüse und Obst wurden sie bereits nachgewiesen – zum Beispiel in bereits abgepackten Salaten.
Die Ansteckung ist für gesunde Erwachsene meist eher harmlos. Anzeichen können Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall oder Erbrechen sein. Behandelt wird mit Antibiotika. Zur Risikogruppe gehören jedoch Schwangere, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem. Bei ihnen können sich schwerere Krankheitsverläufe mit Blutvergiftung und Hirnhautentzündung entwickeln, die auch zum Tod führen können.
Für Schwangere sind die Bakterien besonders gefährlich: Eine Infektion mit Listerien kann im letzten Schwangerschaftsdrittel zu Früh- und Totgeburten führen. Außerdem können die Bakterien auf das Kind übertragen werden und eine Gehirn- oder Gehirnhautentzündung auslösen.


Laut dem Landkreis wurden die Keime in Pizzasalami und Brühwurst nachgewiesen. Den ersten Fund in einem Wilke-Produkt habe es im März in Hamburg gegeben. "Das ist unserer Lebensmittelüberwachung gemeldet worden", sagte Kreissprecher Hartmut Wecker. Die Behörden hätten dann Proben in dem Betrieb genommen und eine Grundreinigung angeordnet. Das habe nicht geholfen. "Deswegen war es jetzt notwendig, den Betrieb zu schließen, um Quelle und Keimherd zu finden." Denn wie die Listerien in die Wurst kamen, sei weiter unklar.

Von den zwei Todesfällen in Südhessen habe man kürzlich erfahren, sagte Wecker, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Todesfälle mit Wilke-Produkten in Zusammenhang stünden, liege laut dem RKI-Gutachten bei 99,6 Prozent. Man habe dann schnell reagiert. "Da ist nicht lange abgewartet worden."

Produkte weltweit ausgeliefert – Stellungnahme von Dr. Oetker

Bereits am Dienstagabend sei eine Rückrufaktion angeordnet worden. Betroffen sind sämtliche Produkte mit Ausnahme von Vollkonserven. Die Menge kann der Landkreis nicht abschätzen. Es handele sich allerdings um einen sehr großen Betrieb, der in alle Bundesländer, aber auch weltweit geliefert habe. "Nach unseren Erkenntnisse haben Altenheime und Krankenhäuser über Großhändler auch Produkte von Wilke bezogen." Eine Liste der betroffenen Produkte soll es vorerst nicht geben, da alle Fleischwaren auch unter dem Firmennamen verkauft würden.

Der Lebensmittelhersteller Dr. Oetker hat mitgeteilt, dass für seinen Pizzen keine Wurstwaren von der Firma Wilke verwendet werden. In einem Werbevideo von der Geschäftsleitung der Firma Wilke Fleisch- und Wurstwaren KG sei dies behauptet worden. Dr. Oetker stellt jedoch klar: "Es besteht keine Geschäftsbeziehung zu dem inzwischen behördlich geschlossenen Wurstwarenhersteller."

Staatsanwaltschaft informiert

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Todesfälle mit Wilke-Produkten in Zusammenhang stehen, liegt laut Gutachten bei 99,6 Prozent. Es gebe zudem 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Außerdem sei die Staatsanwaltschaft über die Vorgänge informiert worden.

Das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei vor mehr als 80 Jahren zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf ihrer Homepage rund 200 Mitarbeiter und exportiert Waren weltweit.

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