Telematik-Tarife : Zahle, wie Du fährst!

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Überwachung im Auto: Telematik-Tarife vor dem Durchbruch

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04. August 2015, 08:00 Uhr

Viele Autofahrer in Deutschland können ihren Fahrstil bald freiwillig von ihrer Versicherung überwachen lassen. Allianz, Huk-Coburg und andere Autoversicherer arbeiten an der Einführung sogenannter Telematik-Tarife, bei denen das Verhalten des Fahrers technisch erfasst und in die Prämienberechnung einbezogen wird. In einigen anderen Ländern sind diese Tarife unter dem Namen „Pay as you drive“ (Zahle, wie Du fährst) schon etabliert – in Deutschland stehen sie nach ersten kleineren Versuchen mit Überwachungsboxen im Auto jetzt vor dem Durchbruch. Wenn die beiden Riesen Huk-Coburg und Allianz mit ihren zusammen 18 Millionen Autoversicherungskunden damit starten, werden auch die anderen nach Einschätzung von Experten bald folgen.

Künftig könnte sogar das Smartphone wichtige Daten wie Bremswege und Beschleunigung erfassen und an den Versicherer übermitteln. Im Visier für die neuen Tarife haben die Versicherer besonders Fahranfänger: Denn sie sind im Gegensatz zu langjährigen Autofahrern für die Unternehmen ein unbeschriebenes Blatt und somit ein hohes Risiko.

Im hart umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen versprechen sich die Anbieter aber auch Wettbewerbsvorteile, weil sie den überwachten Fahrern günstigere Tarife anbieten können. Aus Sicht der Versicherer seien möglichst passgenaue Tarife, die das spezifische Schadensrisiko des Kunden abbilden, die ideale Welt, sagt der Versicherungsexperte der Unternehmensberatung Accenture, Werner Rapberger.

„Was sie aber sicher nicht wollen, ist die Prämien insgesamt zu senken.“ Bei vielen Autofahrern scheinen die Versicherer mit der Telematik offene Türen einzurennen. 43 Prozent der Deutschen würden sich eine Überwachungsbox in ihr Auto einbauen lassen, ergab eine Umfrage der Verbraucherkreditbank CreditPlus vor wenigen Wochen. Die Befürworter lockt vor allem die Aussicht auf niedrigere Versicherungsprämien.

Als einer der ersten Anbieter hat die Sparkassen-Direkt-Versicherung Telematik-Boxen in die Wagen ihrer Kunden einbauen lassen: Die ersten 1000 Boxen waren trotz des Aufwands mit Werkstatttermin schnell vergriffen, inzwischen gibt es eine Warteliste. Dafür winken den Kunden Ersparnisse: „Erreichen Sie einen guten Jahres-Gesamtpunktewert (Score) erhalten Sie daher als Belohnung einen Rabatt von fünf Prozent auf Ihre nächste Jahres-Beitragsrechnung.“ Jeden Monat wird der „Fahrer des Monats“ im Internet gekürt: Im Juni gewann Herr Schwager aus Sachsen-Anhalt mit einem Score von 100 den Pokal und spart sich damit 155,43 Euro Versicherungsprämie.

Einen ähnlichen Weg planen auch Versicherer in der Kranken-, Lebens-, oder Berufsunfähigkeitsversicherung: Die Generali-Versicherung beispielsweise will im kommenden Jahr ihren Tarif „Vitality“ auf den Markt bringen, der gesundheitsbewusstes Verhalten fördern soll. Gesunde Ernährung, Bewegung, Vorsorgeuntersuchungen oder der Verzicht auf das Rauchen sollen mit Boni oder Vergünstigungen belohnt werden. Politiker, Verbraucher- und Datenschützer betrachten die Entwicklung mit Argwohn. „Weil Menschen die Freiheit behalten müssen, über ihr Verhalten selbst zu entscheiden, müssen sie über die Verwendung ihrer Daten autonom entscheiden“, schrieb Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) im „Handelsblatt“. Es müsse immer einen „Aus-Knopf“ geben. Und die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff mahnt die Bürger, in der Krankenversicherung nicht „unbedacht mit ihren sensiblen Gesundheitsdaten umzugehen“. Sie sollten kurzfristige finanzielle Vorteile gegen langfristige Gefahren abwägen.

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