Clevere Feinde : Wirtschaftsspione überrumpeln naive Firmen

Minikamera war gestern: Moderne Wirtschaftsspione arbeiten heutzutage mit Computercode.
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Minikamera war gestern: Moderne Wirtschaftsspione arbeiten heutzutage mit Computercode.

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27. Dezember 2013, 12:12 Uhr

Der Chinese ist freundlich, schickte tolle Zeugnisse. Das deutsche Forschungsinstitut nimmt ihn gerne auf. Nach ein paar Wochen wird der Institutsleiter stutzig. Der junge Kollege ist in seinem Fachgebiet ahnungslos, schleicht in fremden Abteilungen herum, macht viele Überstunden und ist am Wochenende im Labor. Als der Direktor herausfindet, dass der Forscher systematisch Datenbanken durchsucht, ist es zu spät. Der Verfassungsschutz findet heraus, dass der Gast aus China längst zwei Metall-Werkstücke mit einer neuartigen Beschichtung samt Produktionsdaten in seine Heimat geschickt hat. Adressat: vermutlich der chinesische Geheimdienst mit 800 000 Mitarbeitern.

Nur ein krasser Einzelfall aus der Welt der Wirtschaftsspionage, gepaart mit übler Nachrede zulasten Chinas? Nein, sagt Hans-Georg Maaßen. Der Chef des Inlandsgeheimdienstes schildert den Spitzen der deutschen Wirtschaft am Beispiel aus der Praxis, dass neben IT-Angriffen auf Netzwerke, Computer und Handys der Faktor Mensch nicht zu unterschätzen ist.

Er sei weit davon entfernt, einen Generalverdacht gegen alle 27 000 Gastwissenschaftler, Ingenieure und Trainees aus China zu erheben, betont Maaßen diplomatisch. Chinas Nachrichtendienste suchten aber gezielt nach Landsleuten, um sie in Firmen oder an Universitäten einzuschleusen.

Die chinesische Community in Deutschland sei gut organisiert. In ihren Vereinen gelte, erworbenes Wissen zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Heimatlandes zu nutzen. „Das stammt nahezu wörtlich aus der Mao-Bibel“, sagt Maaßen. Peking setze gerne Wissenschaftsjournalisten oder Delegationen ein, die beim Firmenbesuch hochauflösende Videos machen. Auch Russland schätze seit langem klassische „Innentäter“, um Behörden und Firmen auszuspähen.

Das hört sich sehr nach Kaltem Krieg an – Amerikaner oder Briten haben kein Interesse an Geheimnissen deutscher Weltmarktführer? Vom obersten Verfassungsschützer kommt ein klares Nein - trotz wochenlanger Enthüllungen über die vermeintliche Internet-Allmacht des US-Geheimdienstes NSA und seiner britischen Pendants. Bis heute gebe es keine Belege für die These, dass westliche Partner Wirtschaftsspionage in Deutschland betrieben, sagt Maaßen. Vielleicht gibt es keine Belege, weil NSA & Co. im Cyber-Krieg so gut sind.

Bei Hacker-Angriffen über das Internet räumt Maaßen nämlich ein, dass oft nicht klar sei, ob Konkurrenzfirmen oder ausländische Geheimdienste dahinterstecken. „Sie hinterlassen im Netz regelmäßig keine Spuren.“

Vieles findet im Verborgenen statt. Nur jedes fünfte Unternehmen, das Ziel eines Spionage-Angriffs wurde, zeigt den Vorfall an. Die Firmen fürchten Imageschäden und Regressforderungen ihrer Kunden. Oft sind es frustrierte Mitarbeiter, die zu Spionen werden. Je nach Güte des Verrats winkt viel Geld – so wurde ein österreichischer Ingenieur, der Steuerungssoftware für Windräder an China lieferte, mit 1,7 Millionen US-Dollar entlohnt. Später kam die dreijährige Haftstrafe.

Große Konzerne schützen in der Regel ihr Wissen besser als Mittelständler. Dennoch kritisieren Regierung und Geheimdienst, dass die Wirtschaft weiter sorglos mit ihren „Kronjuwelen“ umgeht.


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