Fischerei : „Wirtschaftlich geht das Licht aus“

Küsten- und Binnenfischer kämpfen um ihre Existenz.
Küsten- und Binnenfischer kämpfen um ihre Existenz.

Fangquoten und Räuber bedrohen Deutschlands Fischer. Immer mehr Betriebe fürchten um ihre Existenz

svz.de von
23. August 2016, 20:45 Uhr

Deutschlands Kutterfischer fürchten das Ende der Dorschfischerei. Die kürzlich verkündete Quotenkürzung für Dorsche um 87 Prozent bedeute für das Jahr 2017 „praktisch das Ende der gezielten Dorschfischerei“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, Dirk Sander, gestern bei der Eröffnung des Deutschen Fischereitags in Potsdam. Der Dorsch sei für viele Küstenfischer die Haupteinnahmequelle.

„Selbst wenn am Ende die Quotensenkung politisch etwas abgemildert wird, geht einfach wirtschaftlich das Licht aus“, sagte Sander. „Wer kann denn 50 Prozent Einkommensverlust in einem Familienbetrieb oder einem Angestelltenverhältnis einfach so wegstecken?“ Die Kapitäne und ihre Familien hätten mittlerweile schiere Existenzangst. Sander warnte zugleich vor Verteilungskämpfen zwischen Berufsfischern und Angelfischern. Die Kutterfischer könnten dadurch nichts gewinnen.

Der Präsident des Deutschen Fischereiverbands, Holger Ortel, warnte zudem vor einer überzogenen Ausweitung von Natura-2000-Schutzgebieten. In den außerhalb der deutschen Küstenzonen gelegenen Regionen, für deren Schutz das Bundesumweltministerium zuständig ist, soll künftig ein absolutes Angelverbot gelten. Damit sollten europäische Vorgaben 1:1 umgesetzt werden, sagt Ortel. „Denken Sie bitte nicht, das wäre nur ein Problem für ein paar Angelkutter – da draußen auf dem Meer werden gerade die Standards gesetzt für die Küstengewässer und das Binnenland.“ Für die gesamte deutsche Fischerei bis nach Sachsen und Bayern sei es wichtig, was dort gerade geregelt werde. „Angelverbote sind in Natura-2000-Gebieten nicht erforderlich“, machte Ortel deutlich. „Naturschutz und Fischerei schließen sich nicht aus.“

Die Binnenfischer beklagten unterdessen zunehmende Fischverluste durch fischfressende Tiere wie Kormorane, Silberreiher und Fischotter. Bundesweit gebe es 140 000 Kormorane, die pro Jahr rund 22 000 Tonnen Fisch fräßen, sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Binnenfischer, Bernhard Feneis. Deutschlands Angler würden dagegen nur 20 000 Tonnen Schuppentiere pro Jahr aus den Seen und Flüssen holen. In Karpfenzuchten habe man früher einkalkuliert, dass 30 Prozent der Tiere im zweiten Lebensjahr verloren gingen, sagte Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Brandenburg. Heute seien es 75 Prozent. Derzeit sei weder der Abschuss noch eine Bekämpfung von Kormoranen durch Einölen oder Auskühlen der Gelege möglich. Fischotter wiederum würden nicht nur Jungtiere, sondern auch die für die Zucht wichtigen Alttiere angreifen. „Sie gefährden die Grundlage unserer Zuchtarbeit“, sagt Feneis. „Wenn es so weiter geht, wird es in Deutschland keine Fischzuchten mehr geben.“ Die Situation sei mittlerweile existenzbedrohend.

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