„Wir wissen, wie man Tiere hält“

Die Landwirte in MV wehren sich gegen Pauschalurteile, sie hielten ihre Tiere nicht artgerecht.
Die Landwirte in MV wehren sich gegen Pauschalurteile, sie hielten ihre Tiere nicht artgerecht.

Landwirtschaftstag in Linstow: Die Landwirte in MV wollen nicht gegängelt werden

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26. Februar 2014, 16:35 Uhr

Nichts erhitzt die Gemüter bei Diskussionen über die Landwirtschaft so sehr wie die Haltung von Schweinen, Kühen und Geflügel und die Preise für deren Fleisch. „Das billigste Angebot diktiert, was in der Tierhaltung passiert“, sagte der Geschäftsführer des Tierschutzfachverbandes Provieh, Stefan Johnigk, gestern auf dem Landwirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Linstow (Landkreis Rostock). „Wir brauchen Lösungen, die den Massenmarkt verändern.“

Mit der „Initiative Tierwohl“, die im Januar gestartet wurde, habe der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland erstmals Verantwortung für Probleme in der Tierhaltung übernommen, erklärte Johnigk. Demnach soll Fleisch generell etwas teurer werden. Aber nur Schweine-, Hähnchen- und Putenmäster, die über das gesetzliche Maß hinaus etwas für das Tierwohl tun, sollen vom Handel mehr Geld erhalten. In Linstow diskutierten fünf Vertreter aus Politik, Verbänden und Wissenschaft vor rund 600 Landwirten über die aktuelle Agrarpolitik. Johnigk, der sich zum Auftakt einen kleinen Schlagabtausch mit dem Landesbauernpräsidenten Rainer Tietböhl lieferte, durfte wegen der Größe des Podiums nicht mehr dabei sein.

Tietböhl erklärte: „Wir halten die Nutztiere entsprechend den gesetzlichen Vorgaben.“ Wenn die Standards erhöht werden, müssten die Bauern dafür auch mehr Geld bekommen. Die Landwirte seien gespannt, was der Handel biete. Er äußerte sich enttäuscht, dass Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) immer wieder gegen Tierhaltungsanlagen protestieren, obwohl die Bauern Transparenz zeigten und ihre Höfe öffneten. Er verbat sich zudem eine Gängelung der Bauern: „Wir wissen, wie wir Weizen anbauen und wie wir unsere Tiere halten müssen.“

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach den Worten von Agrarminister Till Backhaus (SPD) 77 neue Anlagen zur Tierhaltung in der Planung. Es gebe Anträge auf 70 000 Plätze für Mastschweine sowie auf 13 000 für Milchkühe. „Ohne Tierhaltung gibt es keine Zukunft für die ländlichen Räume“, sagte er.

Der Präsident des Thünen-Instituts in Rostock, Folkhard Isermeyer, verwies auf die zunehmende Lobbypolitik seitens der Landwirtschaft, aber auch von Nichtregierungsorganisationen. Dazu zählen Verbände wie die Umweltorganisation BUND oder Provieh. Sie nähmen immer mehr Einfluss auf die Regierungspolitik, die Bereiche seien aufgeteilt, sagte Isermeyer. Die NGOs seien mittlerweile Wirtschaftsunternehmen.

Der Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU) kritisierte das Verbandsklagerecht der Organisationen. Es werde „brutal“ eingesetzt. Die NGOs verhinderten so Projekte im ländlichen Raum oder würden große Summen herausschlagen. Das sei ein moderner Ablasshandel, meinte er.

Der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse, sagte, die NGOs hätten in der Öffentlichkeit ein positives Image, weil sie sich als Aufdecker von Missständen und Interessenvertreter von Natur- und Tierschutz darstellten. Dem müsse der Bauernverband etwas entgegensetzen. Tietböhl kündigte an, noch mehr in die Öffentlichkeit zu gehen.

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