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Fragen und Antworten : Wie unabhängig sind Tüv & Co?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der VW-Abgasskandal und seine Folgen: Jetzt werden auch Dekra, Tüv und GTÜ überprüft

Die Prüfdienste – Dekra, Tüv oder GTÜ – sind nicht nur für die Hauptuntersuchung von Autos zuständig, sondern auch für die Abgasprüfung bei der Typgenehmigung neuer Modelle. Im Zuge des VW-Abgasskandals wird auch ihre Arbeit näher unter die Lupe genommen.

Wer sucht die Prüfdienste aus?

Die Prüfdienste werden vom Kraftfahrtbundesamt benannt und bekommen die Freigabe von der Deutschen Akkreditierungsstelle. Wer allerdings welches Modell vor der Erstzulassung überprüft, entscheiden die Autohersteller selbst. Sie beauftragen den jeweiligen Prüfdienst, wenn sie ein neues Modell auf den Markt bringen wollen.

Wer bezahlt die Prüfdienste?

Das sind ebenfalls die Autohersteller.

Werden die Prüfdienste noch einmal kontrolliert?

Die zuständige Behörde ist das Kraftfahrtbundesamt (KBA), heißt es beim Tüv Nord. Es überwache kontinuierlich die Arbeit der Technischen Dienste. Das KBA überprüft die Technischen Dienste, deren Labore und auch Herstellerlabore regelmäßig im Rahmen der Benennungsaudits, sagt Kohlhas vom GTÜ. Das KBA könne auch zur Überprüfung bei der Typgenehmigung hinzukommen. „Ich persönlich habe das noch nicht erlebt“, so Kohlhas.

Werden die Werte in der Typgenehmigung noch einmal kontrolliert?

Die Hersteller sind gesetzlich zu regelmäßigen Überprüfungen verpflichtet, heißt es beim Tüv Nord. „Die sogenannte Serienüberwachung (CoP) wird vom Hersteller selbst durchgeführt beziehungsweise beauftragt und muss vom KBA regelmäßig kontrolliert werden.“

Gibt es Zweifel an diesem Verfahren?

Umweltverbände wie Greenpeace kritisieren die Nähe zwischen Technischen Diensten und Industrie. „Das ist ein Geschäftsmodell, in dem die Technischen Dienste abhängig sind“, sagt Tobias Austrup von Greenpeace. Er sieht darin ein strukturelles Problem.

Was sind Gegenvorschläge?

Die EU-Kommission hatte im Januar den Vorschlag gemacht, das Vergütungssystem der Prüfdienste zu ändern, „um finanzielle Verbindungen zwischen technischen Diensten und Herstellern zu vermeiden, die zu Interessenkonflikten führen“. Außerdem schlug die Kommission eine Überprüfung durch unabhängige Stellen und gegenseitige Kontrollen durch nationalen Behörden vor. Nach Meinung von Greenpeace-Experte Austrup sollten unabhängige Dritte wie das Umweltbundesamt in den Prüfprozess eingebunden werden.

Was halten die Prüfdienste davon?

Die betonen, zur Transparenz beitragen zu wollen, melden aber Zweifel an einer zentralen Prüfstelle an. „Eine zentrale Prüfstelle wäre sehr aufwendig“, sagt GTÜ-Experte Kohlhas.

 
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