Wegen Vogelgrippe : Werden zu Ostern Freilandeier knapp?

Ei ist nicht gleich Ei.
Ei ist nicht gleich Ei.

Interview mit Günter Scheper, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsches Ei

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04. April 2017, 05:00 Uhr

Zum Angebot an Eiern zu den Osterfeiertagen sowie über die Auswirkungen der Vogelgrippe auf die Geflügelwirtschaft sprach unser Korrespondent Tobias Schmidt mit Günter Scheper, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutsches Ei.

Ostern steht vor der Tür. Gehen wegen der Vogelgrippe die Freilandeier aus?
Scheper: Es gibt im Moment zu wenige Freilandeier. Gerade im Nordwesten Deutschlands besteht immer noch ein Aufstallgebot für Freilandhaltungen. Dies gilt auch für die Niederlande, die einen erheblichen Anteil an unserer Eierversorgung haben. Dadurch, dass derzeit nicht überall Freilandeier angeboten werden, sind auch die Bio-Eier knapper geworden und nicht ausreichend verfügbar. Insgesamt ist aber mit den Bodenhaltungseiern ein ausreichendes Angebot am Markt vorhanden. Das Gesamtangebot an Eiern wird daher zu Ostern definitiv nicht knapper.

Was ist die Alternative für Kunden, die Eier von artgerecht gehaltenen Hühnern kaufen wollen?
Alle in Deutschland zugelassenen Haltungsformen sind tiergerecht, daher kann der Verbraucher da überall mit gutem Gewissen zugreifen. Verbrauchern, denen ein Auslauf der Hennen wichtig ist und die eben derzeit keine Freiland- oder Bio-Eier kaufen können, haben mit den sogenannten „Solidaritätseiern“ eine Alternative. Das sind die Eier aus Freilandställen, die wegen des Aufstallgebots nicht als Freilandeier verkauft werden dürfen. Als Verbraucher setze ich mit dem Kauf solcher Eier ein klares Solidaritätsbekenntnis für die betroffenen Landwirte und auch für die Freilandhaltung. Allerdings lässt die Verbraucherakzeptanz im Moment zu wünschen übrig. Die Umsätze lagen zum Schluss deutlich unter 25 Prozent von den Freilandumsätzen.

Wie viele Eier werden insgesamt über Ostern verkauft, sind es mehr oder weniger als im Vorjahr?
Die Nachfrage nach Eiern ist insgesamt sehr positiv. Mit 235 Eiern pro Kopf haben die Deutschen 2016 noch nie so viele Eier gegessen. Mit Blick auf Ostern zieht zwar die Nachfrage nach Eiern gewöhnlich kurzfristig etwas an, der vorösterliche Mehrkonsum wird dabei aber oft überschätzt. Erfahrungsgemäß sind es im jeweiligen Ostermonat zwei bis drei Eier pro Einwohner mehr als im Schnitt der übrigen Monate.

Die Vogelgrippe wütet weiter. Welcher Schaden ist den Geflügelfarmern inzwischen entstanden?
Das aktuelle Vogelgrippe-Geschehen stellt die gesamte Geflügelwirtschaft – insbesondere aber die Freilandbetriebe – vor eine schwierige Situation. Selbstverständlich hat das auch zu Schäden geführt. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hatte den Schaden kürzlich auf 40 Millionen Euro beziffert. Und es wird täglich mehr! Je nach Betrieb verlieren viele Bauern – gerade im Nordwesten Niedersachsens – im Moment etwa 1 000 Euro pro Tag, da sie wegen des Aufstallgebots ihre Eier nicht als Freilandeier verkaufen können.







 

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