Milchpreis : Wenn Bio Bauern glücklich macht

Schwankender Milchpreis: Die Öko-Nische erweist sich als krisenfest. Umstellung aber risikoreich für Landwirte

svz.de von
12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Es geht schon wieder bergab mit den Erzeugerpreisen. Zu viel Milch auf dem Markt, sagen Beobachter. Und weil die Menge nun einmal den Preis bestimmt, fürchten die Bauern sich vor der nächsten großen Krise. Landwirt Guido Holtheide sagt, er sei froh, diesem Hamsterrad entflohen zu sein. Die Familie hat den Betrieb bei Osnabrück auf Öko-Produktion umgestellt. Die Nische erweist sich seit Jahren als krisenfest.

Mehr als eine Milliarde Liter – diese Menge ökologisch erzeugter Milch werden Bauern 2018 anliefern, schätzen die Experten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren und ein neuer Rekord. Was zunächst viel klingt, ist letztlich doch nur ein Liter pro Einwohner und Monat. Auch der neue Produktionsrekord wird nicht genügen, um die Nachfrage zu decken. Etwa 30 Prozent der Öko-Milch werden importiert.

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Die etwa 100 Milchkühe von Guido Holtheide werden in diesem Jahr ihren Beitrag zum neuen Rekord leisten. Seit November liefert der Betrieb ganz offiziell Öko-Milch. 49 Cent bekommt Holtheide derzeit pro Liter. Deutlich mehr als seine konventionell produzierenden Kollegen. Auf 36 Cent sackte der Milchpreis im Januar ein – und soll laut Prognosen weiter sinken.

Obwohl immer mehr Öko-Milch fließt, bleibt dieser Preis stabil. Agrarwissenschaftler Ralf Loges von der Carl-Albrechts-Universität in Kiel weiß, warum: „Entgegen den ersten Befürchtungen kam es trotz der Umstellungswelle zu keiner Überproduktion bei deutscher Öko-Milch, denn Molkereien hatten zum Teil nur eine begrenzte Anzahl von Neulieferanten zugelassen.“

Das bekamen auch die Holtheides zu spüren. Gemeinsam mit sechs weiteren Milchviehbetrieben haben sie die Umstellung gewagt. Keine Molkerei in der Umgebung wollte ihre Milch haben. Jetzt liefern sie an die „Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft“, die das weiße Gut in der Gläsernen Molkerei in Mecklenburg-Vorpommern verarbeiten lässt. Die Milch wird quer durchs Land gefahren, bevor sie als ökologisch erzeugte Trinkmilch oder Joghurt im Supermarktregal landet.

Für Holtheides ist das erst einmal zweitrangig. Wichtig ist für sie der Preis, und der stimmt. Wissenschaftler Loges sagt: „Zehn Cent Preisunterschied müssen sein, sonst rechnet es sich nicht.“ Die etwa zweijährige Umstellungsphase sei ein Risiko für die Betriebe: Sie müssen schon ökologisch wirtschaften – also beispielsweise das Futter nachhaltig anbauen und weitgehend auf Pestizide verzichten –, dürfen ihre Milch aber nicht als öko verkaufen. Auf etwa 1000 Euro pro Kuh beziffert Bauer Holtheide die Kosten der Umstellung.

Ob es ihm nach der Umstellung besser geht? „Ja“, sagt Holtheide, ohne zu zögern. Wirtschaftlich, aber auch menschlich. „Immer weiter wachsen. Aus diesem Hamsterrad wollte ich einfach raus.“

Dirk Fisser

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