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100-Tage-Bilanz : Was bringt die Pflegereform?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zur 100-Tage-Bilanz des Medizinischen Dienstes

Seit Jahresbeginn ist die Pflegereform in Kraft und damit ein völlig neues Begut-achtungssystem für pflegebedürftige Menschen. 100 Tage nach Reformstart zieht der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) nun eine erste Bilanz. Hintergründe mit neuen Zahlen:

Wie viele Bedürftige erhalten durch die Reform erstmals Leistungen aus der Pflegekasse?
Bisher sind vom MDK in diesem Jahr 222 178 Menschen auf ihre Pflegebedürftigkeit begutachtet worden. In 80 Prozent der Fälle wurde einer der neuen fünf Pflegegrade empfohlen. 128 996 Menschen haben erstmals Zugang zu den Leistungen aus der Pflegeversicherung, darunter sind rund 80 000 Männer und Frauen, die bei einer Begutachtung nach dem alten System leer ausgegangen wären. 43 434 von ihnen bekamen Pflegegrad 1 zuerkannt. Das bedeutet: Sie erhalten Beratung und Zuschüsse für den Umbau ihrer Wohnungen sowie Pflegehilfsmittel. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet damit, dass mittelfristig rund 500 000 Menschen Leistungen bekommen, die ohne die Reform keinen Anspruch gehabt hätten.

Wer profitiert besonders?

Laut MDK nutzt das neue System bei der Begutachtung insbesondere Demenzkranken. „Sie sind vor allem im Anfangsstadium ihrer Erkrankung zwar meistens noch körperlich fit, aber in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt oder zeigen belastendes Verhalten. Das wird nun besser berücksichtigt“, erklärt MDK-Experte Bernhard Fleer.

Was hat sich bei der Begutachtung konkret geändert?
Die Einstufung richtet sich anders als in der Vergangenheit nicht mehr nach dem Zeitaufwand, der für die Pflegebedürftigen benötigt wird, sondern nach dem Grad der Selbstständigkeit der Patienten. Dabei geht es um elementare Lebensbereiche, unter anderem um Mobilität, Selbstversorgung, Verhaltensweisen, psychische Probleme sowie kognitive und kommunikative Fähigkeiten. Je mehr Unterstützung die Betroffenen im Alltag benötigen, desto höher der Pflegegrad und damit die Leistungen.

Werden durch die Reform auch Pflegebedürftige schlechter gestellt?
Nein. Es gilt Bestandsschutz. Die meisten der aktuell rund 2,8 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sind automatisch ins neue System überführt worden – ohne neue Begutachtung.

Wie lange dauert es von der Antragstellung bis zum Bescheid?
Aktuell ist der MDK stark gefordert. Im ersten Quartal 2017 gab es ein Drittel mehr Anträge als ein Jahr zuvor im gleichen Zeitraum. Bei Erstanträgen auf Heimpflege oder auf Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst gilt eigentlich eine 25-Tage-Frist. Doch können gegenwärtig schon einmal bis zu acht Wochen vergehen, bis der Leistungsbescheid vorliegt. In dringenden Fällen – etwa beim Übergang von Krankenhaus oder Reha in die Pflege – gibt es das Ergebnis der Begutachtung nach MDK auch jetzt innerhalb einer Woche.

 

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