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Benzinkosten : Warum die Preise sinken – und warum das auch Sorgen macht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tanken und Heizen sind günstiger – dennoch machen die sinkenden Verbraucherpreise nicht jedem Freude

Ein Minuszeichen vor den Verbraucherpreisen nun auch in Deutschland. Erstmals seit September 2009 sind die Preise im Januar nicht gestiegen, sondern gesunken. Einen Rückgang um 0,4 Prozent zum Vorjahr errechnete das Statistische Bundesamt.

Verbraucher können sich mehr für ihr Geld kaufen. Doch nicht jeder hält die Entwicklung für gut.

Warum sinken die Preise?

Hauptgrund ist der Absturz der Rohölpreise. Das drückt die Preise für Heizöl und Kraftstoffe. Und weil die Ausgaben für Energie nach Mieten der größte Einzelposten im Haushaltsbudget der Deutschen sind, lässt das die Inflationsrate insgesamt sinken. Wie groß der Einfluss ist, belegen aktuelle Berechnungen des Statistischen Bundesamtes: Würden Nahrungsmittel und Energie nicht berücksichtigt, hätten die Verbraucherpreise im Januar um 1,1 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Einschließlich beider Posten ergab sich eine Rate von minus 0,4 Prozent.

Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

Aus Verbrauchersicht zunächst einmal gar nichts. Wer beim Tanken und Heizen spart, kann tendenziell mehr Geld für andere Dinge ausgeben. Die Kauflust scheint groß: Die Konsumlaune der Deutschen ist nach Zahlen der Nürnberger GfK auf einem 13-Jahres-Hoch. Zusätzlicher Treiber ist das für Sparer extrem unattraktive Zinsumfeld: Geldanlegen lohnt kaum.

Warum wird dann trotzdem vor sinkenden Preisen gewarnt?

Die Gefahr ist, dass Preise über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen fallen. Volkswirte nennen das Deflation. Kommt es zu einer solchen Entwicklung, kann das ganze Volkswirtschaften lähmen: Verbraucher und Unternehmen könnten angesichts sinkender Preise Anschaffungen und Investitionen aufschieben – schließlich könnte es ja bald noch billiger werden. Wer etwas verkaufen will, könnte sich zu Preissenkungen gezwungen sehen. Das lässt die Gewinne der Unternehmen sinken und verkleinert Spielräume für Investitionen. Einzelne Werke sind eventuell nicht mehr ausgelastet. Kurzarbeit, Entlassungen oder gar die Schließung ganzer Standorte können Folgen sein. Mehr Arbeitslose, weniger Konsum, weniger Steuereinnahmen – rutscht eine Volkswirtschaft in eine Deflation, verringert sich die gesamte Wirtschaftsleistung zunehmend. Es droht eine Abwärtsspirale.

Wird mehr Wachstum die Inflation wieder nach oben treiben?

In der Regel ja. Außerdem sollte die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) sich bemerkbar machen. Die Notenbank hat im Januar angekündigt, in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Auf diesem Weg sollen mehr als 1,1 Billionen Euro in die Wirtschaft gepumpt werden. Ein Ziel: Die Teuerungsrate wieder knapp unter 2,0 Prozent zu treiben. Bei diesem Wert sieht die EZB Preisstabilität gewahrt.
 
 

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