VW räumt Manipulationen bei Abgastests ein

Angeschlagen: Vorstandschef Martin Winterkorn.
Angeschlagen: Vorstandschef Martin Winterkorn.

Autohersteller droht Prozess und Strafzahlung in Milliardenhöhe / Auswirkungen auf Deutschland noch nicht absehbar

svz.de von
20. September 2015, 17:07 Uhr

VW hat in den USA Abgastests von Diesel-Autos manipuliert. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, dessen Vertrag erst kürzlich nach dem Sieg im Machtkampf mit Ferdinand Piëch verlängert worden war, stehen ungemütliche Tage ins Haus. Der Abgas-Skandal in den USA trifft den Autokonzern zur Unzeit. Es drohen Milliardenstrafen, vor allem aber ein enormer Ansehensverlust. Und noch ist nicht klar, was noch ans Licht kommt.

Worum geht es? VW habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren, teilte die EPA am Freitag in Washington mit. Das ermögliche, das Abgas-Kontrollsystem nur bei offiziellen Emissionstests zu aktivieren - und damit bessere Messwerte zu liefern, als sie im Alltag erreicht würden. Der Vorwurf wiegt schwer, am Ende geht es aus Sicht des EPA um Betrug. „Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit“, sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles.

Ein VW-Sprecher räumte gestern auf Nachfrage ein, dass Manipulationen in den USA stattgefunden haben. Winterkorn selbst hatte sich zuvor zu dem Fall geäußert. „Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität“, heißt es in der Erklärung.

Fast eine halbe Million Autos sind betroffen, im schlimmsten Fall drohen Zahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar. Für den Konzern könnte sich die Affäre zu einem ziemlich teuren Albtraum auswachsen. Und der könnte dem Ansehen der deutschen Vorzeigeindustrie insgesamt erhebliche Dellen zufügen.

Winterkorn verspricht eine umfassende Kooperation mit den US-Behörden. VW habe eine externe Untersuchung beauftragt. „Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art“, so Winterkorn.

Autoexperte Stefan Bratzel ist wie andere Fachleute entsetzt. „Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie“, sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in den USA ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. „Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA - und jetzt das!“ Das Verfahren sei bedrohlich, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er fordert, nun auch in Europa die Abgastests zu überprüfen. Denn der Fall wirft die Frage auf, ob es Ähnliches auch in anderen Ländern gegeben haben könnte.

Das sieht auch die Deutsche Umwelthilfe so. Sie wirft allen Herstellern seit Langem vor, die Abgasmessungen beim Diesel zu schönen. Durch das US-Verfahren sieht sich der Verband nun bestätigt - und will vor deutschen Gerichten nun Fahrverbote für Dieselfahrzeuge erreichen.

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