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Anklage gegen Supermarkt : Vorsicht, Kohlrabi-Blatt!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rentnerin zieht nach Sturz im Supermarkt vor Gericht

Ein aufgeschürftes Ohr, eine dicke Beule am Kopf und ein riesiger Bluterguss am Knie: Drei Wochen lang litt eine Rentnerin aus Hannover unter den Folgen ihres Sturzes im Supermarkt. Weil sie überzeugt davon ist, dass der Markt-Betreiber für ihre Verletzungen verantwortlich ist, zog die Seniorin vor das Amtsgericht Hannover. Sie verlangt Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von rund 1800 Euro. Das Lebensmittelunternehmen bestreitet dagegen, für den Unfall in der Gemüseabteilung verantwortlich zu sein, da diese regelmäßig kontrolliert werde.

In der gestrigen knapp zweistündigen Zivilverhandlung ging es um glitschige grüne Stellen auf den Fliesen, um von Kunden abgerissene Kohlrabi-Blätter und vor allem um die Frage, wie oft der Filialleiter den Fußboden des eher beengten, rund 380 Quadratmeter großen Ladens überprüft.

Tatsächlich beschäftigt sich die Justiz immer wieder mit Unfällen im Kaufhaus oder Supermarkt. Bei der Entscheidung kommt es darauf an, ob das Unternehmen ausreichende Vorkehrungen getroffen hat, um die Sicherheit seiner Kunden zu gewährleisten. Verkehrssicherungspflichten nennen das die Juristen. Für die Obst- und Gemüseabteilung gelten besonders strenge Regeln. Etwa alle 15 bis 20 Minuten muss hier kontrolliert und gereinigt werden, haben Gerichte bereits entschieden.

Für die Kontrollen in dem Markt in Hannover war am 12. Juni der damalige Assistent des Filialleiters zuständig. Er habe noch etwa 15 Minuten vor dem Sturz die Gemüseabteilung in Augenschein genommen, sagte der 27-Jährige. Einen Dienstplan für die Reinigung oder Kontrollen habe es aber nicht gegeben. Nach dem Ausrutscher hatte der Mann der Klägerin auf die Beine geholfen und einen Rettungswagen alarmiert. Wie sah der Fußboden der Gemüseabteilung aus? „Da lag nur ein Kohlrabi-Blatt“, beteuerte der Zeuge. „Das habe ich dann aufgehoben. Eine schmierige Flüssigkeit habe ich nicht gesehen.“

Sollte die Klägerin den Zivilprozess gewinnen, wird sie nicht mehr als 800 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz erhalten, machte Richterin Dagmar Frost zum Auftakt des Verfahrens deutlich. Sie setzte das Schmerzensgeld und den Schadensersatz deutlich niedriger an. Dennoch verzichteten beide Parteien in dem Rechtsstreit auf eine gütliche Einigung. Das Urteil wird am 12. November verkündet (AZ: 453 C 4349/15).

Christina Sticht

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