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Gesundheit : Verarbeitetes Fleisch krebserregend?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es geht um die Wurst: Rotes Fleisch erhöht nach Erkenntnissen von Forschern das Darmkrebsrisiko

Gut 38 Kilo Schweinefleisch und fast 9 Kilo Rindfleisch isst jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation warnt nun, dass Steaks und Würstchen bei regelmäßigem Konsum langfristig das Krebsrisiko steigern könnten. Ernährungsexperten meinen aber, dass Fleischliebhaber deshalb nicht zum Vegetariertum überlaufen müssen - sie werben für bewussteren Fleischkonsum. Fragen und Antworten von Sebastian Kunigkeit und Silvia Kusidlo, dpa.

Weshalb halten die Forscher Fleisch für krebserregend?

Die Experten haben mehr als 800 Studien ausgewertet, die sich mit dem Zusammenhang von Fleischverzehr und Krebsarten beschäftigen. Bei verarbeitetem Fleisch wie Würstchen, Schinken oder Corned Beef sind sie aufgrund der Daten sicher, dass es Krebs verursachen kann. Bei rotem Fleisch halten sie das für wahrscheinlich – das gilt zum Beispiel auch für das Rinder-Steak aus der Pfanne oder das Schweinekotelett. Um Geflügel geht es in dem Bericht nicht. Nach Angaben der Agentur verstehen Forscher noch nicht komplett, warum Fleisch das Krebsrisiko beeinflusst. Beim Kochen oder bei der Verarbeitung von Fleisch könnten aber Stoffe entstehen, die als krebserregend bekannt sind.

Um welche Krebsarten geht es?

Vor allem um Darmkrebs. Für verarbeitetes Fleisch gibt es auch Hinweise auf Verbindungen zu Magenkrebs, dies ist aber nicht erwiesen. Bei rotem Fleisch könnte es zudem Verbindungen zu Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs geben.

Muss ich nun ganz auf Fleisch verzichten?

Wie so oft: Die Menge machts. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam. Fleisch habe auch positive Effekte: „Wir führen damit z.B. Eisen, hochwertiges Eiweiß und bestimmte Vitamine zu.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren pro Woche zu sich zu nehmen. Die Realität sehe aber anders aus. „Männer verzehren etwa doppelt so viel mit 1092 Gramm pro Woche.“ Frauen seien gerade so im Rahmen. Klar scheint: Je mehr, desto höher das Risiko.

Was heisst das konkret?

Pro 50 Gramm verarbeitetes Fleisch täglich steigt das Darmkrebsrisiko nach Einschätzung der Experten um 18 Prozent. Dabei stützen sie sich auf Daten aus zehn Studien. Bei rotem Fleisch ist die WHO-Agentur noch zurückhaltender, aber Daten legen nahe, dass 100 Gramm täglich das Risiko um 17 Prozent erhöhen könnten.

Hoher Fleischkonsum ist auch Umweltschützern ein Dorn im Auge – warum?

Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln. Damit werden mehr Flächen für den Futteranbau benötigt. Größere Viehbestände tragen zu mehr Treibhausgasen bei.

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