Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes : Unfallgefahr durch zu wenig Schlaf

dpa_148da00053f1e384

Wissenschaftlicher Dienst des Bundestags hat Bedenken gegen geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes

svz.de von
11. August 2016, 21:00 Uhr

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat vor Unfall- und Gesundheitsrisiken durch eine Lockerung der gesetzlichen Ruhezeit-Regelungen gewarnt, für die sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) einsetzt: Werde die Mindestruhezeit von elf Stunden verkürzt, könne der Zeitdruck zu einem riskanteren Fahrverhalten führen, „wodurch sich das Risiko eines Wegeunfalls erhöht“, heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes, das unserer Redaktion vorliegt und von der Linksfraktion in Auftrag gegeben worden war.

Durch eine Zerstückelung der Ruhezeit – etwa durch Arbeit an Laptop oder Handy von zu Hause aus – wäre die empfohlene Schlafdauer von sieben bis acht Stunden „nicht erreichbar“, schreibt der Wissenschaftliche Dienst weiter und fasst zusammen: „Eine Mindestruhezeit von elf Stunden ist aus arbeitswissenschaftlicher Sicht von sehr hoher Bedeutung für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten.“

„Frau Nahles wäre daher gut beraten, die Finger vom Arbeitszeitgesetz zu lassen“, sagte die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jutta Krellmann, am Donnerstag unserer Redaktion. Die Ministerin wolle die Schutzfunktion des Arbeitszeitgesetzes durch Tarifverträge unterlaufen. „Dabei ist es erwiesen, dass eine Verkürzung oder Unterbrechung der Ruhezeiten gesundheitsschädlich ist.“

Mit der Lockerung der gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften will Nahles auf den digitalen Wandel reagieren, es geht etwa um das Lesen und Beantworten von E-Mails oder SMS nach oder vor dem eigentlichen Dienstschluss. Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit will die SPD-Politikerin den Unternehmen aber nur dann einräumen, wenn sich diese mit den Gewerkschaften auf tarifvertragliche Regelungen einigen. Nach einem ersten „Sozialpartner-Dialog“ im Juni unter Leitung von Kanzlerin Merkel hat sich Nahles im Juli bereits ein zweites Mal mit Gewerkschaftsvertretern zusammengesetzt, um über das heikle Thema zu beraten. Nächstes Treffen: 30. August.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen