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DDR-Geräte : Und sie rühren und schneiden…

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Dauereinsatz: Küchengeräte aus DDR-Zeiten noch in vielen Schränken. Auch die ehemaligen Produzenten sind noch rührig

So viel Aufmerksamkeit hat ein Rührgerät nur selten bekommen: Das weiße Plastikteil liegt in einer mit rotem Stoff ausgekleideten Holzkiste. Darunter Knethaken und Schlagbesen. Darüber eine Urkunde – es ist das 18 000 000. Rührgerät, das im Elektrogerätewerk Suhl (EGS) produziert worden war. Mehr als alle anderen Küchengeräte aus dem Großbetrieb sind es die Rührgeräte, die den Ruf begründen, EGS-Waren hielten ewig. Und tatsächlich sind sie auch 25 Jahre nach der Wende noch in vielen deutschen Haushalten zu finden. Diesseits wie jenseits der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Jene, die einstmals im EGS gearbeitet haben, bestärken diesen Mythos, wo immer sie können. Birgit Endter-Rutter zum Beispiel schwärmt von der Langzeitqualität der Geräte. Die 54-Jährige hatte ab 1976 im EGS eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht, studierte später mithilfe des Betriebes und erstellte anschließend die Lohn- und Gehaltsabrechnungen ihrer Kollegen. Während ihrer EGS-Zeit sei sie trotz ihres Verwaltungsjobs – wie zu DDR-Zeiten üblich – regelmäßig „in der Produktion“ eingesetzt worden.

Bei einem solchen Einsatz habe sie sich dann ihr eigenes Rührgerät – kurz: RG – zusammengebaut und es sofort „zur Seite gelegt“. Noch heute benutze sie es, sagt sie. Regelmäßig.

In dem Unternehmen, das offiziell „Kombinat VEB Elektrogerätewerk Suhl“ hieß, arbeiteten laut einem Beitrag der Thüringer Blätter zur Landeskunde in den 1970er- und 1980er-Jahren insgesamt etwa 4000 Menschen. Die Wende überlebte der Betrieb nicht. Der Hauptsitz des Werkes befand sich in Suhl, andere Unternehmensteile waren in der Region um die südthüringische Stadt verteilt. Neben Rührgeräten wurden dort unter anderem Allesschneider, Haartrockner und Geschirrspüler hergestellt. Viele dieser Geräte gingen auch in den Export. In der Bundesrepublik wurden sie unter anderem über das inzwischen ebenfalls untergegangene Versandhaus Quelle unter dem Markennamen Privileg vertrieben. Dort hießen die Rührgeräte „Privileg RG28s“.

Ehemalige Beschäftigte des Werkes finden sich regelmäßig zu kleineren Treffen zusammen, um an die alten Zeiten zu erinnern. Eine große Sammlung von ehemaligen EGS-Geräten liegt in den Räumen der Agentur für Arbeit in Suhl: Wo seit 1998 der Behördenbau zu finden ist, war die Keimzelle des EGS. Regelmäßig stehe bei ihm jemand in der Tür und gebe noch alte Geräte ab, um die Sammlung zu erweitern, sagt der Sprecher der Agentur, Frank Fleischmann. Dabei handele es sich meist nicht um Elektroschrott, sondern um gut erhaltene Gerätschaften.

„Voll funktionsfähig und manchmal sogar noch in der Originalverpackung.“ Dass Haushalte, in denen zum Beispiel die EGS-Rührgeräte auch heute noch genutzt werden, im ganzen Bundesgebiet verteilt sind, weiß man in Steinbach-Hallenberg ganz genau. Dort produziert ein Unternehmen noch Schlagbesen für das RG28. Denn so robust die Rührgeräte selbst seien, an den 1,8 Millimeter breiten Metallgestängen öffne sich im Laufe der Jahre schon mal ein Schweißpunkt, sagt der Geschäftsführer der Firma, Rolf Scheerschmidt. Etwa 500 Paar dieser Schlagbesen verkaufe das Unternehmen deshalb jährlich – und zwar nicht nur in die neuen Bundesländer: „Wir haben überall in Deutschland Kunden.“

 

Technik, die ans Herz gewachsen ist

 

Auch in den Haushalten unserer Leser findet man sie noch,  Mixer, Waschmaschinen oder Kassettenrekorder aus DDR-Zeiten. Und alle haben sie eins gemein: Auch nach Jahrzehnten verrichten sie ohne Murren ihren Dienst. Im Rahmen unserer Rubrik „Alte Liebe rostet nicht – Technik, die ans Herz gewachsen ist“ erreichten uns im vergangenen Jahr unzählige Zuschriften, in denen die Besitzer über ihre lieb gewonnenen Haushaltsgeräte berichteten.

So schwört Ingrid Köpke immer noch auf ihre Waschmaschine WM 66 sowie ihre Tischschleuder. Bereits seit 1970 wäscht die Rostockerin mit dem in der DDR-Zeit sehr beliebten Modell. Doch ihre WM 66 hat noch mehr „Talente“: So wurde sie schon einmal dazu benutzt,   Bockwürste für die Faschingsfeier im Stadtteil zu erhitzen. Auch Regina Wylegala möchte ihren Organer Mixer RG 28s um keinen Preis missen. Als Hochzeitsgeschenk von ihrem Betrieb bekommen, ist ihr der Mixer auch nach über 31 Jahren immer noch treu – und, so hofft sie, auch noch für die nächsten 31 Jahre.

Neben Mixer und Waschmaschine sind auch der Eierkocher „Gackel Boy“,  der Toaster von 1971, die alte elektrische Nähmaschine oder Kaffeemühle von 1969  immer noch im Einsatz und leisten ihren Besitzern seit Jahrzehnten gute Dienste.

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