Post-Konzern und Tochter sollen zusammenarbeiten : Umbau von Paketzustellung

Eine wahre Paketeflut verursacht der boomende Onlinehandel.
Eine wahre Paketeflut verursacht der boomende Onlinehandel.

Mitarbeiter von Post-Konzern und Tochter sollen zusammenarbeiten. Die Gewerkschaften sind kritisch.

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12. März 2018, 21:00 Uhr

Die Deutsche Post bereitet eine große Neuorganisation bei den Paketzustellern vor. Gewerkschaften lehnten den Plan allerdings bereits vehement ab. Sie befürchten, dass es bald schon keine betriebliche Trennung mehr bei Zustellern mit unterschiedlichen Tarifverträgen geben und das Lohnniveau im Konzern sinken könnte. Die Post erklärte jedoch, dass Berichte, wonach die Arbeitsbedingungen verschlechtert werden sollen, jeder Grundlage entbehrten. Über die Pläne berichtete zuerst die „Welt“.

Seit 2015 arbeiten laut Post etwa 10 000 Paketzusteller in 46 regionalen Tochtergesellschaften namens DHL Delivery. Sie werden nach regionalen Tarifverträgen aus dem Speditionsbereich bezahlt. Daneben gibt es laut Gewerkschaft Verdi noch 7650 Paketzusteller, die nach dem bundeseinheitlichen Hausvertrag der Deutschen Post AG bezahlt werden. Letztere verdienen laut Schätzung der Gewerkschaft DPVKOM im Schnitt etwa ein Fünftel mehr als ihre Delivery-Kollegen.

Die Gewerkschaften hatten im Jahr 2015 mit massiven Streiks versucht, diese Aufsplittung zu verhindern – vergeblich. Sie konnten aber durchsetzen, dass die Beschäftigten der verschiedenen Gesellschaften im normalen Betrieb getrennt sind. Das bedeutet etwa unterschiedliche Fahrzeuge, Zustellbereiche und Schichtpläne. Diese betriebliche Trennung soll nach den Post-Plänen nun aufgehoben werden, während die tariflichen Unterschiede bestehen bleiben sollen. Dann gäbe es einen Chef und einheitliche Arbeitspläne bei unterschiedlichen Arbeitszeiten und Pausenregelungen – eine „sehr komplizierte Aufgabe“, wie eine Verdi-Sprecherin sagte. Mit dem „Gemeinschaftsbetrieb“ greift die Post nun auf ein Mittel aus dem Betriebsverfassungsgesetz zurück, mit dem die Führung von Mitarbeitern aus verschiedenen Firmen vereinfacht werden soll.

Laut einer internen Präsentation mit Stand Ende Februar soll die Zusammenlegung schon zum 1. Mai umgesetzt werden. Derzeit laufen demnach Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die Verhandlungsparteien bestätigten, dass es erste Gespräche gab. Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis erklärte: „Wenn die Deutsche Post AG nach zwei Jahren Betriebspraxis erkennt, dass die Doppelstruktur von Regionalgesellschaften und Deutscher Post AG ein Irrweg ist, kann man dem Management nur anraten, sie ganz aufzulösen“.

Die DPVKOM fürchtet wie Verdi, dass Paketzusteller künftig nur noch in den Delivery-Gesellschaften eingestellt werden. Laut Post sollen diese Gesellschaften bis 2025 auf 20 000 Beschäftigte anwachsen.

Die Post betont, die von den Delivery-Gesellschaften gezahlten Löhne seien „attraktiv“, der Zulauf an neuen Mitarbeitern unverändert hoch.

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