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Anton Schlecker : Tiefer Fall des Drogeriekönigs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Es ist nichts mehr da“, hieß es vor vier Jahren – jetzt droht Anton Schlecker Haft

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 06:30 Uhr

Die Fragen nach dem Geld waren Meike Schlecker genauso unangenehm wie das Blitzlichtgewitter. „Es ist nichts mehr da“, sagte die Tochter des einstigen Drogeriekönigs 2012 bei der Pressekonferenz mit nervöser, stockender Stimme. Meike Schlecker gab sich Mühe, die desolate Finanzlage zu schildern. Ihre Familie habe kein Geld beiseite geschafft. „Das Vermögen meines Vaters war stets das Unternehmen.“

Das Unternehmen Schlecker ist Geschichte. Und das Vermögen? Vier Jahre nach der Pleite klagt die Staatsanwaltschaft den Ex-Drogeriekönig und seine Familie an. Sie ermittelte jahrelang. Es geht um teure Geschenke, illegale Ausschüttungen, Überweisungen für nie geleistete Beratungen, jede Menge Geld, das der 71 Jahre alte Firmenpatriarch vor der Pleite an Frau und Kinder übertragen haben soll, um es vor den Gläubigern zu retten. „Insgesamt ein zweistelliger Millionenbetrag“, sagt Staatsanwalt Jan Holzner.

 

Die Schlecker-Story ist so dramatisch, sie wurde mehrfach verfilmt. Der Metzgermeister aus Ulm expandierte endlos in Europa, bis er sein Imperium gegen die Wand fuhr. Ende Juni 2012 klingelten die Schlecker-Kassen ein letztes Mal. Zehntausende verloren mit der Insolvenz ihren Job. Das Inventar wurde verscherbelt, der Firmengründer avancierte zum Inbegriff des Raubierkapitalisten. Schlecker galt immer schon als geizig, er zahlte Billiglöhne, handelte nach der Entführung seiner Kinder 1987 die Lösegeld-Forderung herunter. Gleich nach der Pleite werden Vorwürfe gegen ihn laut. Er soll vor der Insolvenz sein Privathaus an seine Frau und ein Grundstück an seinen Sohn übertragen haben. Nach einem Streit um übertragenes Vermögen zahlte die Familie dem Insolvenzverwalter gut ein Jahr nach der Pleite 10,1 Millionen Euro.

Nun setzt sich das Drama fort. Selten ist die Fallhöhe so enorm: 2006 rühmte sich Schlecker noch „Alleininhaber des größten Drogeriemarktunternehmens der Welt“ zu sein, wurde als Milliardär geführt. Nun könnte er ins Gefängnis kommen. Auf Bankrott in besonders schweren Fällen stehen bis zu zehn Jahre Haft. Vor einem Prozess muss aber das Gericht die Anklage zulassen. Das wird geprüft – und kann sich bis 2017 hinziehen.

Wie viel Geld war am Ende noch da? Und wo floss es hin? Gut möglich, dass Meike Schlecker bald wieder über das Vermögen ihrer Familie sprechen muss – vor dem Richter.

Hintergrund
Anton Schlecker führte sein Drogerieimperium als eingetragener Kaufmann. Mit dieser Rechtsform gibt es keine Handhabe gegen ihn wegen möglicher Insolvenzverschleppung – wohl aber gegen seine Kinder. Dieser Straftatbestand besagt im Kern, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz „nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig“ bei Gericht angezeigt wird. Insolvenzverschleppung wird mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe bestraft. Bankrott (§283 Strafgesetzbuch) hängt eng mit einer Insolvenz zusammen, denn „wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit“ beispielsweise Werte für die mögliche Insolvenzmasse zur Bedienung der Gläubiger verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. In besonders schweren Fällen zehn Jahre Haft.

 

 

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