Arbeitsmarkt : So viele freie Stellen wie selten zuvor

Gute Konjunktur kurbelt Arbeitsmarkt an: Langzeitarbeitslose weiter im Hintertreffen

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31. März 2015, 20:57 Uhr

Milde Temperaturen und eine gute Konjunktur haben die Nachfrage nach Arbeitskräften auf eine neue Rekordhöhe steigen lassen. Im März habe es so viele freie Stellen (542  000) gegeben wie seit mindestens elf Jahren nicht mehr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit gestern in Nürnberg. Die Zahl der Jobsuchenden rutschte auf ein neues Tief und liegt nun bei knapp 2,9 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent.

Doch nicht jeder kommt in den Genuss der Euphorie am Arbeitsmarkt. Langzeitarbeitslose haben es immer noch schwer, eine Anstellung zu finden. So verringerte sich die Zahl der Personen, die länger als zwölf Monate arbeitslos waren, im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig um 48  000 auf nunmehr 1,05 Millionen – etwa 35 Prozent aller Arbeitslosen.

Die Gründe liegen BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt zufolge in dem schlechten Ruf, der Langzeitarbeitslosen anhaftet. „Zu alt, zu krank, nicht qualifiziert genug und sowieso kein Bock auf Arbeit – mit diesen Vorurteilen haben viele zu kämpfen“, sagt er. Er appelliert daher an die soziale Verantwortung der Unternehmen. „Ich wünsche mir von Arbeitgebern, dass sie ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und den Arbeitslosen die Möglichkeit einräumen, sich in Vorstellungsgesprächen zu präsentieren.“ So lange der Markt so gut läuft wie derzeit, sollte die Wirtschaft alles tun, damit auch Langzeitarbeitslose davon profitieren.

Etwa 400  000 Langzeitarbeitslose in Deutschland gelten als besonders schwer vermittelbar. Ihnen fehlt eine grundsätzliche Schulbildung, sie sprechen kaum Deutsch oder sind aufgrund von Krankheiten nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Für sie stünden Alt zufolge weniger arbeitsmarktpolitische Maßnahmen im Vordergrund, sondern vielmehr Maßnahmen der sozialen Teilhabe.

Arbeitslosen empfehle der BA-Vorstand, sich zu engagieren – im Sinn eines gesellschaftlichen Beitrags. „Sie sollten sich nicht stoisch in ihr Schicksal ergeben“, sagt er. Ein Ehrenamt, eine Tätigkeit in einem Verein oder in einem Wohlfahrtsverband helfe nicht nur soziale Kontakte zu knüpfen, sondern erleichtere auch die Jobsuche. „Das kommt in einem Bewerbung besser an, als wenn man sagen muss, dass man nur auf der Couch gesessen hat“, erläutert Alt.

Er räumt aber auch Handlungsbedarf in den Jobcentern ein. Bei der Einführung von Hartz IV vor zehn Jahren sei einiges überstürzt umgesetzt worden. „Wir sind damals ins kalte Wasser gesprungen“, meint Alt. Das Personal sei für die neue Aufgabe nicht genug vorbereitet gewesen. Das müsse nun nachgebessert werden. Vor allem gut ausgebildete Mitarbeiter seien gefragt. „Wir haben 2014 knapp 20 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung unseres Personals investiert“, erläutert Alt. Damit soll die Qualität der Beratung gesteigert und die Betreuung der Kunden intensiviert werden.

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