Ryanair geht in die Offensive : Siegeszug der Billigflieger

Germanwings geht zum Jahreswechsel in der europäisch gestrickten Eurowings auf
Germanwings geht zum Jahreswechsel in der europäisch gestrickten Eurowings auf

Passagiere können sich über sinkende Preise freuen

svz.de von
12. November 2015, 08:00 Uhr

Die Billigstrategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr sorgt für mächtig Ärger bei den Mitarbeitern – Streiks von Piloten und Flugbegleitern sind die Folge. Für Schnäppchen-Jäger unter den Flugreisenden sind die Zeiten dagegen so gut wie schon lange nicht mehr. Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gibt es in Deutschland so viele Billigflugverbindungen wie nie zuvor – nicht zuletzt durch die Verschiebung von Strecken der Lufthansa zur Tochter Germanwings. Die Zahl der Billigflugstrecken in und ab Deutschland stieg im Sommer auf den Rekord von 754 Verbindungen.

Vor allem der europäische Billig-Primus Ryanair geht einmal mehr in die Offensive. „Diese Gesellschaft bietet in letzter Zeit verstärkt Flüge von größeren Flughäfen an“, sagt Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr. So wurde inzwischen beispielsweise Stuttgart in den Flugplan der Iren aufgenommen. Aus Lübeck zog sich Ryanair zurück und bietet stattdessen Flüge vom Hamburger Airport an. In ihrem Expansionsdrang kommt Ryanair unter anderem mit innerdeutschen Verbindungen zwischen Köln und Berlin der Germanwings und der angeschlagenen Air Berlin in die Quere. Aber auch andere Günstiganbieter bauen ihr Angebot aus wie Flybe, Easyjet und Norwegian in Düsseldorf und Hamburg, so die DLR-Studie.

Flugreisende freuen sich über mehr Angebote und sinkende Preise. Ein einfacher Flug der Billiganbieter einschließlich Steuern und Gebühren kostet im Herbst laut DLR im Schnitt zwischen 45 und 115 Euro – je nach Vorausbuchungszeitraum. Vor einem Jahr waren es noch zwischen 70 und 140 Euro. Der Wettbewerb in Verbindung mit den aktuell niedrigen Kerosinpreisen führe zu deutlichen Preisrückgängen.

Die Antwort der Lufthansa auf diese Entwicklung: Kosten senken und das Billigsegment ausbauen. Wer in Europa beim Wachstum der Branche dabei sein wolle, müsse zwangsläufig auf die Punkt-zu-Punkt-Verkehre setzen, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr gestern in Frankfurt bekräftigt. Mit mittlerweile 300 Zielen im Sommerflugplan habe Germanwings ihre Spitzenstellung im deutschen Low-Cost-Verkehr ausgebaut, bescheinigt die DLR. Der Lufthansa-Konzern will seine insgesamt führende Position in Deutschland nicht nur halten, sondern ausbauen. Die durchaus erfolgreiche Marke Germanwings geht zum Jahreswechsel in der europäisch gestrickten Eurowings auf. Sie soll im Lufthansa-Kernmarkt - Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien - mit zunächst knapp 100 Jets größter Billigflieger und in Europa nach Ryanair und EasyJet die Nummer drei werden.

Die neue Eurowings ist keine einheitliche Fluggesellschaft mehr, sondern eine Plattform, unter deren Dach eine Vielzahl von Gesellschaften im scharfen internen Kostenwettbewerb agieren kann. Piloten und Crews können zudem von Dritten angeheuert werden.
Friederike Marxund Christian Ebner

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