Flughafen Lübeck : Seit 15 Jahren in der Krise

Der Flughafen ist insolvent.
Der Flughafen ist insolvent.

Drei Investoren in ein Dutzend Jahren, rote Zahlen – die Probleme des Lübecker Flughafens

svz.de von
29. März 2016, 21:00 Uhr

Knapp, knapper, Flughafen Lübeck. Keine drei Wochen mehr, dann fließt am Airport Blankensee kein Geld mehr – es sei denn, ein potentieller Käufer legt ein schlüssiges Finanzierungskonzept vor. In einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Hauptausschusses berichtetet Insolvenzverwalter Klaus Pannen von zwei Interessenten. Ob die schnell genug zu Hilfe kommen, ist offen.

Drei private Investoren in zwölf Jahren, rote Zahlen, Fluggastzahlen, die von 697 559 (im Jahr 2009) auf 127 000 (im Jahr 2015) abgestürzt sind, eine Mitarbeiterzahl, die jüngst von 75 auf 50 eingedampft wurde – Probleme am Lübecker Flughafen sind chronisch. Das einzige, was einigermaßen Bestand zu haben scheint, ist die Anwesenheit Pannens, der aktuell zum zweiten Mal Regie über eine Insolvenz des Betriebs führt. Die Zeit sitzt ihm vor allem im Genick, weil sich mit dem ungarischen Billigflieger Wizz Air gerade eine Einnahmequelle, nämlich die einzig verbliebene Fluggesellschaft, Richtung Hamburg verabschiedet hat. Am 15. April geht der letzte Flug ab Lübeck.

Über die zwei Eisen, die Pannen noch im Feuer hat, ist bislang nur zu vernehmen, dass das eine ein potenter Unternehmer aus der Region sei und der andere einer, der Flugzeuge recyceln und Lübeck-Blankensee als Abwrack-Airport betreiben will. Auf letzterem liegen offenbar die größeren Hoffungen, immerhin sickerten größere Pläne durch die verschlossenen Rathaus-Türen: Vom möglichen Kauf an den Airport grenzender Gewerbeflächen ist die Rede, vom Interesse am Airport Business Park, von neuen Arbeitsplätzen. Flugzeug-Recycling ist in Europa eine junge Branche, längere Erfahrungen gibt es in den USA; vom Verband der Flugzeugverwerter Afra kommt die Annahme, dass in den kommenden 20 Jahren mit 12 000 ausrangierten Maschinen zu rechnen sei. Ob Lübeck von diesem Kuchen ein Stück abbekommt, soll sich in diesen Tagen entscheiden. Voraussetzung ist ein tragfähiges Finanzierungskonzept, auf das der Insolvenzverwalter seit Monaten hofft. Seit am 30. September 2015 zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet wurde, hangelt sich der Airport von Monat zu Monat. Und das nächste Problem steht schon parat. Sollte der Finanzierungsplan einer der beiden aktuellen Kaufinteressenten nicht sofort den Anforderungen genügen, braucht Pannen mehr Zeit – und nach dem 15. April auch Geld, die Rede ist bislang von 200 000 Euro.

Von der Stadt gibt es das der politischen Mehrheit entsprechend aller Voraussicht nach nicht. „Es ist schlicht und ergreifend nicht Aufgabe der Stadt, eine Brückenfinanzierung für Insolvenzverwalter bereit zu stellen“, stellt Thorsten Fürter für die Grünen klar. „Wenn ein Vertrag mit einem neuen Investor kurz vor dem Abschluss stehen soll, wie vom Insolvenzverwalter mehrfach behauptet, dann muss dieser Investor auch die Brückenfinanzierung organisieren.“

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