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Zoll-Online-Versteigerungen : Schnäppchenjäger werden fündig beim „Ämter-Ebay“

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Schon 3000 deutsche Behörden machen bei zoll-auktion.de mit. Das Angebot reicht von Heuballen über Autos bis zu Wodka. Der Umsatz steigt.

Auf Schnäppchenjäger wartet das Zoll-Auktionshaus „www.zoll-auktion.de“: Wer etwa Interesse an einem alten Wasserwerfer hat, muss sich beeilen. Noch drei Tage haben Bürger die Chance mitzubieten. Aktuell steht das Gebot für das Fahrzeug bei 17.000 Euro.

Des einen Freud, des anderen Leid: Bei dem Auktionshaus werden hauptsächlich Artikel versteigert, damit deren Besitzer Schulden abbezahlen können. Die neuen Besitzer freuen sich über niedrige Preise bei der staatlichen Auktion.

Nicht auf Ebay findet diese Versteigerung statt, sondern auf dem öffentlich rechtlichen Pendant zoll-auktion.de. Dort ist von Heuballen bis zur Violine, vom Trecker bis zum Kautabak, von der Wodka-Flasche bis zur teuren Goldkette oder der Münzsammlung alles zu ersteigern, was das Herz begehrt. Rund 3000 Behörden aus ganz Deutschland nutzen diese Plattform.

Die Auktionsartikel stammen meist aus Firmeninsolvenzen, Zwangsversteigerungen oder aus anderen Schuldverhältnissen gegenüber der öffentlichen Hand. So kann es passieren, dass der säumige Bürger durch das Nichtzahlen von Ordnungsgeldern, Knöllchen oder anderen Verwarngeldern plötzlich seinen Pkw in der Zoll-Auktion wieder findet, weil das Amt zur Tilgung der Schulden diesen zwangsversteigert.

Doch das Angebot beschränkt sich nicht nur auf gepfändete, beschlagnahmte oder gefundene Ware. Auch ausrangiertes Verwaltungsgut ist darunter: alte Rechner, betagte Schreibtische, Kopierer und Dienstfahrzeuge. Betuchte Freunde des Maritimen konnten kürzlich ein elf Meter langes ausrangiertes Streifenboot der Wasserschutzpolizei von Schleswig-Holstein (Baujahr 1988, Startpreis 20000 Euro) ersteigern. Noch zum Verkauf steht eine Mercedes Sprinter, ein ehemaliger Rettungswagen. Abzuholen ist es in Neubrandenburg.

Mit der Vielfalt der Angebote spielt die Auktionsplattform erkleckliche Summen ein. „Durch die öffentlichen Versteigerungen bei der Zoll-Auktion im Jahr 2015 wurden insgesamt 83,3 Millionen Euro Umsatz erzielt“, berichtet der Sprecher der Generalzolldirektion Hamburg, Andre Lenz. Jahr für Jahr werden die Zahlen besser. 2011 waren es noch 63 Millionen. Aktuell laufen über 1800 Auktionen auf dem Internetportal – darunter gut 100 Fahrräder, 150 Kraftfahrzeuge, viele Uhren und Schmuckstücke, ja sogar ein „Konvolut Zahngold“ zum Startpreis von 2800 Euro.

Dienststellen, die teilnehmen wollen, müssen sich wie bei Ebay an klare Vorgaben halten. Ein Foto, der Startpreis und eine detaillierte Artikelbeschreibung sind Vorschrift. Ein Mindestgebot sowie Start- und Endzeitpunkt der Auktion runden die Informationen ab.

Interessenten, die als aktive Bieter an der Zoll-Auktion teilnehmen wollen, müssen sich online registrieren, wobei neben einem Bieternamen auch die vollständige Adresse anzugeben ist. Während der Auktion werden Bieter per E-Mail benachrichtigt, wenn sie überboten wurden oder den Zuschlag für einen Artikel erhalten haben. Ein weiterer Service der Zoll-Auktion ist ein elektronischer „Biet-Agent“, der automatisch bis zu einer vom Bieter zuvor festgelegten Höchstgrenze mitbietet. Nach Bezahlung können die ersteigerten Artikel bei den teilnehmenden Dienststellen abgeholt oder in den meisten Fällen auch zugesandt werden.

Zu den teilnehmenden Dienststellen gehören Polizeibehörden, Staatsanwaltschaften, Wasser- und Schifffahrtsämter, Forstämter, viele Finanzämter sowie die Dienststellen der Zollverwaltung, der Kommunalverwaltungen sowie anderen Behörden der Landes- oder Bundesverwaltung.

Beschlagnahmte Zigaretten und Waffen dürfen nicht zur Versteigerung angeboten werden. Ebenso können keine vom Aussterben bedrohten und daher beschlagnahmten oder konfiszierten Pflanzen oder Tiere versteigert werden, da dies aufgrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) untersagt wurde.

Da als Verkäufer nur Kommunen, Behörden oder Verwaltungen zugelassen sind, ist das Thema Einstellgebühren, oder Verkaufsprovisionen bei zoll-auktion.de kein Thema. Die Teilnahme als Bieter ist für jeden Teilnehmer kostenlos. Der Nutzer dieses Services sollte allerdings geschäftsfähig sein, was in der Regel dann der Fall ist, wenn das 18. Lebensjahr vollendet wurde.

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erstellt am 09.Mai.2016 | 13:13 Uhr

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