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Online-Kunde im Konflikt : Schlechtes Gewissen in der Internet-Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Darf man fairen Kaffee kaufen und gleichzeitig beim umstrittenen Versandhändler Schuhe bestellen?

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Die schöne neue Online-Welt stürzt so manchen Nutzer in Gewissenskonflikte: Darf ich fairen Kaffee kaufen und gleichzeitig beim umstrittenen Versandhändler Schuhe bestellen? Am Ende läuft es auf die Frage hinaus: Wem schade ich, wenn ich diese Dienste nutze? Oder ist es im Internet-Zeitalter gar nicht mehr zeitgemäß, sich darüber Gedanken zu machen?

„Das Internet ist eine neue Technologie, die alte Technologien ablöst“, sagt der Ethikprofessor Kurt Bayertz von der Uni Münster. „Das war schon so, als das Auto aufkam und alle Sattler dadurch arbeitslos wurden.“ Bitter für diejenigen, die es trifft – aber es entstehen ja auch neue Jobs.

Dass Amazon vielen schönen kleinen Buchhandlungen das Wasser abgräbt, ist an sich wohl auch noch nicht verwerflich. „Die Frage, ob Buchhandlungen sein sollen oder nicht, ist keine primär ethische, sondern eine kulturelle Frage“, sagt der Berliner Ethiker Prof. Markus Tiedemann. So gibt es auch Menschen, die gar nicht gern ins Buchgeschäft gehen. „Wenn Sie zu dem Schluss kommen: Ja, ich wünsche mir eine rein digital kommunizierende und sich organisierende Gesellschaft, dann können Sie guten Gewissens alles übers Internet bestellen“, meint Tiedemann.

Wie verhält es sich aber mit folgendem Fall: Man probiert im Laden Joggingschuhe an, lässt sich beraten – und bestellt dann billig im Internet. Dass das nicht fair ist, sagt einem schon das Gefühl. „Langfristig schade ich mir damit selbst“, erläutert Bayertz. „Denn auf Dauer werden diese Läden dadurch natürlich verschwinden, und dann gibt's niemanden mehr, der mich berät. Sondern nur noch das Internet.“

Für den Wirtschaftsethiker Prof. Klaus Peter Rippe aus Karlsruhe sind es nicht so sehr die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, deretwegen er nach Möglichkeit nicht bei Amazon kauft, sondern die Marktmacht des Konzerns. „Bei Amazon ist für mich Punkt 1, dass sie wirklich versuchen, ihre Marktmacht so zu nutzen, dass es Wettbewerb verhindert“, sagt er. Rippe meint, dass man jeweils sehr genau hinschauen muss.

In der Diskussion um die Taxi-Alternative Uber stehe zum Beispiel nicht das moralische Verhalten des Einzelnen im Fokus: „Da haben wir Regelungsbedarf. Da ist die Frage: Wo beginnt das Gewerbe? Wann ist man selbstständig und ab wann wird man ausgebeutet als Selbstständiger? Da müssen wir einfach eine Regelung finden.“    Nun sieht es in der Praxis so aus, dass die Versuchung des schnellen Klicks oft übermächtig ist. Rippe geht es da nicht anders. „Es gelingt mir nicht immer, meine Vorsätze einzuhalten“, gibt er zu.

 

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